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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Komplizierter Verlauf bei zervikaler Lymphadenopathie durch Bartonella henselae

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Jörn Schönlaub - Universitäts Kinderklinik Würzburg, Würzburg
  • Anna Katharina Hiessl - Universitäts-Kinderklinik Würzburg, Kinderklinik und Poliklinik, Würzburg
  • Robert Mlynski - Universitätsklinikum Würzburg, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische O, Würzburg
  • Volkhard Kempf - Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Frankfurt/Main
  • Johannes Liese - Universitätsklinikum Würzburg, Kinderklinik und Poliklinik, Würzburg

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi45

DOI: 10.3205/12dgpi45, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi450

Veröffentlicht: 22. März 2012

© 2012 Schönlaub et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die Katzenkratzkrankheit ist eine weltweit verbreitete Zoonose und ist zumeist verursacht durch Bartonella henselae. Als typische Eintrittspforte gelten Kratzer von Katzen, jedoch werden auch zunehmend andere Vektoren (Hunde, Zecken) als Überträger diskutiert. In den meisten Fällen handelt es sich um eine selbstlimitierte Erkrankung. Komplizierte Verläufe mit Einschmelzung betroffener Lymphknoten (LKN), Enzephalitis, Uveitis, Neuroretinitis, Endo-Myokarditis u.a. sind jedoch beschrieben.

Fallbericht: Anamnese: 12-jähriger Junge mit 2 Wochen vor Aufnahme plötzlich aufgetretener, größenprogredienter, wenig schmerzhafter einseitiger Lymphknotenschwellung im Bereich des rechten Kieferwinkels. Keine systemischen Infektionszeichen, kein Fieber. Beginn einer antibiotischen Therapie durch den Hausarzt bei Verdacht auf Tonsillitis mit einem Cephalosporin der 2. Generation. Haustiere: Katzen, Schweine, Hasen, Rinder.

Untersuchungsbefund: Derbes, ca. 5x4cm großes, submanidbuläres und zervikales Lymphknotenpaket im Bereich des rechten Kieferwinkels; wenig verschieblich, leichte Druckdolenz, keine Rötung, keine Überwärmung. Zwei Kratzspuren oberhalb des Jugulums. Weiterer pädiatrisch-internistischer Status unauffällig.

Untersuchungen: Labor: Leukozyten: 6200/µl, CRP: 0,22mg/dl,. Sonographie: Submandibulär rechts 2 Lymphknoten (14 und 18 mm dick) mit deutlicher Hyperperfusion und inhomogener Struktur. Beginnende Einschmelzung des größeren Lymphknotens. Feinnadelbiopsie: Kein Wachstum in der aeroben und anaeroben Kultur, Mykobakterienkultur negativ. Virologie: kein Anhalt für EBV, CMV Infektion. Mikrobiologie: Toxoplasma-Serologie negativ, Bartonella Serologie: B. henselae IFT-IgG: 1:2560 (<1:80), IFT-IgM: 1:320 (<1:80).

Verlauf: Nach positiver Serologie, Beginn einer antibiotischen Therapie mit Doxycyclin und Rifampicin. Sonographisch im Verlauf kein Anhalt für Einschmelzung. Wiedervorstellung nach 2 Wochen bei Befundprogredienz. Lymphknoten Extirpation und Umstellung der antibiotischen Therapie auf Cefotaxim, Rifampicin. Problemloser postoperativer Verlauf. Positive PCR für Bartonella spp. im intraoperativ gewonnenen Lymphknotengewebe. Titer im Verlauf(nach 3 Wochen) nahezu unverändert (IgG: 1:2560; IgM: 1:640).

Zusammenfassung: Bei unserem Patienten mit insgesamt 5-wöchigem Verlauf einer einseitigen Lymphadenopathie wurde serologisch und mit PCR eine Infektion mit B. henselae nachgewiesen. Die Feinnadelbiopsie trug nicht zur Diagnosesicherung bei. Trotz initalem Ansprechen auf die antibiotische Therapie kam es im Verlauf zur Größenprogredienz der LKN und Einschmelzung, welches eine operatives Vorgehen mit Lavage der Abszesshöhle und Kürettage erforderlich machte.