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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Gruppe-A-Streptokokken-(GAS)-Schnelltests: Reliabilität in Abhängigkeit vom Testverfahren und Anwender

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Nicole Toepfner - Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin (ZKJ), Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg
  • Philipp Henneke - Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin (ZKJ), Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg
  • Reinhard Berner - Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden
  • Markus Hufnagel - Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin (ZKJ), Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi40

DOI: 10.3205/12dgpi40, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi402

Veröffentlicht: 22. März 2012

© 2012 Toepfner et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die Differenzierung zwischen viraler und bakterieller Tonsillopharyngitis ist schwierig. Diagnostischer Goldstandard der GAS-Tonsillopharyngitis ist die mikrobiologische Kultur. In der Praxis werden zur zeitnahen Entscheidung für oder gegen eine antibiotische Therapie antigenbasierte Schnelltests (RADTs) eingesetzt. Eine Cochrane-Metanalyse zeigte eine Sensibilität von 0,85 und eine Spezifität von 0,93 dieser Testverfahren. Im ZKJ-Freiburg wurde eine deutlich niedrigere Testgüte des verwendeten Latexagglutinationsverfahrens im Vergleich zur GAS-Kultur beobachtet. Daraufhin wurde die Anwendung zweier verschiedener RADTs im klinischen Alltag evaluiert.

Methodik: In einer dreijährigen prospektiven Interventionsstudie wurde ein Latex-Agglutinationstest (LAT im Jahr 2008) und ein Lateral-Flow Immunoassay (LFIT in den Jahren 2009-2010) im Vergleich zum kulturellen GAS-Nachweis evaluiert. Die Durchführung der RADTs sowie die Anlage der mikrobiologischen Kultur erfolgten werktags durch labortechnisches Personal und außerhalb der regulären Arbeitszeit durch Dienstärzte. Alle involvierten Personen wurden zu Beginn der Jahre 2008 und 2009 in das jeweilige RADT-Verfahren im Rahmen eines illustrierten Vortrags eingewiesen. Im Jahr 2010 fand eine erneute RADT-Schulung der Dienstärzte mit praktischer LFIT-Anwendung statt.

Ergebnisse: In den Jahren 2008 bis 2010 wurden insgesamt 974 Rachenabstriche untersucht. Im Jahr 2008 zeigte der LAT eine niedrige Sensitivität in der Anwendung durch das Laborpersonal (56,9%) und die Dienstärzte (44,4%). Die LAT-Spezifität war im Unterschied zu den Dienstärzten (8,3%, p<0,0001) bei einer Testanwendung durch das Laborpersonal (98,2%) sehr gut. Nach Umstellung der RADT-Diagnostik auf LFIT im Jahr 2009 stieg die RADT-Sensitivität durch das Laborpersonal auf 93,0% (p<0,0001) und bei Dienstärzte auf 76,9% (p=0,187) an. Zusätzlich verbesserte sich die RADT-Spezifität durch Dienstärzte auf 71,7% (p<0,001). Nach der zusätzlichen LFIT-Schulung der Dienstärzte stieg im Jahr 2010 erneut sowohl die Sensitivität (100%), als auch die Spezifität (92,6%) und es zeigte sich kein relevanter Unterschied der Testreliabilität mehr im Vergleich zum Laborpersonal.

Schlussfolgerung: Die Unterschiede der LAT-Spezifität zwischen Laborpersonal und Dienstärzten weisen auf die Bedeutung einer routinierten Testanwendung und Testauswertung für die Zuverlässigkeit des LAT hin. Im Falle des LFIT, der durch das Erscheinen einer roten Linie einen positiven Nachweis anzeigt, sind die Unterschiede der Testergebnisse im Gegensatz zur Agglutinationsinterpretation beim LAT-Verfahren zwischen Laborpersonal und Dienstärzten deutlich geringer. Allerdings lässt sich auch in der LFT-Anwendung der positive Effekt einer gezielten praktischen Schulung nachweisen. Die RADT-Diagnostik sollte - insbesondere während der Einführung - durch die bakterielle Kultur evaluiert werden.