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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Antibiotika-Therapie der Tonsillitis

Meeting Abstract

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  • presenting/speaker Andreas Podbielski - Universitätsmedizin Rostock, Inst. f. Med. Mikrobiologie, Virologie und Hygiene, Rostock

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi02

DOI: 10.3205/12dgpi02, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi028

Veröffentlicht: 22. März 2012

© 2012 Podbielski.
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Gliederung

Text

Akute und chronische infektiöse Erkrankungen der Tonsillen betreffen meist die Tonsilla palatina und die umgebende Schleimhaut des Pharynx. Die kalkulierte Therapie von akuten Infektionen mit wahrscheinlich bakterieller Genese wird in einer Reihe aktueller deutscher Leitlinien, insbesondere der PEG, DGHNO und DEGAM, wird unter der Vorstellung, dass die häufigsten Erreger Streptococcus pyogenes sind, Penicillin V als Mittel der 1. Wahl genannt. Die Richtlinien unterscheiden sich nur in den Angaben zur Therapiedauer (10 – 7 d) und der Stellung von oralen Cephalosporinen als Alternativ-Antibiotika.

Der Nutzen der Therapie liegt in einer relativ geringfügigen Verkürzung der Symptomatik und ggf. einer verminderten Ansteckungsrate. Lokale oder systemische Komplikationen können je nach Therapiebeginn und tatsächlich verantwortlichem Erreger nicht oder kaum vermieden werden bzw. sind so selten, dass keine Aussage möglich ist.

Die Erreger der akuten Tonsillitis sind allerdings überwiegend gegenwärtig nicht kausal therapeutisch angehbare Viren. Neben den ß-hämolysierenden Streptokokken sind auch Haemophilus influenzae, Mycoplasma pneumoniae und Staphylococcus aureus seitens der Bakterien relevante, aber von der kalkulierten Therapie nicht erfasste Erreger. Der Nachweis der verantwortlichen Erreger ist mit modernen mikrobiologischen Verfahren in breitem Umfang möglich, wird allerdings aus Zeit- und Kostengründen in den o.g. Leitlinien nicht empfohlen. Als Hilfskonstruktion zur Therapieindikationsstellung werden stattdessen klinische Scores ggf. in Kombination mit Schnelltesten genutzt.

So fehlen aktuelle umfassende mikrobiologisch-epidemiologische Daten zur Tonsillitisgenese und Beurteilung der Therapiewirkung. Auch der Einfluss einer im unterschiedlichen Ausmaß vorhandenen physiologischen Flora und die Lokalisation pathogener Erreger in Biofilmen oder in eukaryoten Zellen blieben bisher unberücksichtigt. Die Wertigkeit der in der Vergangenheit mit unter den genannten Aspekten unzureichender Diagnostik durchgeführten Studien leidet unter diesen Einschränkungen.