gms | German Medical Science

53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

11.10. - 13.10.2012, Lübeck

Defektdeckung im Bereich der Hand. Besteht für die gestielte Leistenlappenplastik noch eine Indikation? Ergebnisse von 85 Patienten

Meeting Abstract

  • author presenting/speaker Ole Goertz - BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Handchirurgiezentrum, Operatives Referenzzentrum für Gliedmaßentumoren, Bochum, Deutschland
  • Nicolai Kapalschinski
  • Tobias Hirsch
  • Adrien Daigeler
  • Hans-Ulrich Steinau
  • Marcus Lehnhardt

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Lübeck, 11.-13.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgh09

DOI: 10.3205/12dgh09, URN: urn:nbn:de:0183-12dgh093

Veröffentlicht: 9. Oktober 2012

© 2012 Goertz et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Fragestellung: Die steigende Anzahl verfügbarer freier und lokaler Lappenplastiken zur Deckung von Haut-Weichteildefekten der Hand wirft die Frage der Wertigkeit traditioneller Methoden der Defektdeckung wie der gestielten Leistenlappenplastik auf. Ziel der Studie war es, die Langzeit-Ergebnisse von Defektdeckungen mittels gestielter Leistenlappenplastiken zu untersuchen und deren Wertigkeit im Zeitalter der Mikrochirurgie zu bestimmen.

Methodik: Zwischen 1982 und 2009 wurden 85 Patienten mit Haut-Weichteildefekten der Hand und des distalen Unterarms in unserer Klinik mit gestielten Leistenlappenplastiken versorgt. 49 Patienten konnten befragt und körperlich untersucht werden.

Ergebnisse: Das mittlere Alter der Patienten war 33, das Verhältnis männlich/weiblich 4:1, der durchschnittliche Krankenhausaufenthalt 29±13 Tage und der mittlere Nachuntersuchungszeitraum betrug 9 Jahre. Die Dauer bis zur Durchtrennung des Lappen-Stils betrug 24±5 Tage. Insgesamt wurden im Mittel 4,6 Operationen nach Anlage des Leistenlappens durchgeführt. Diese beinhalteten Ausdünnungen, Vertiefungen der Interdigitalfalten, Lappenrevisionen aber auch Operationen der ursprünglich bestehenden Verletzungen. Eine Lappenplastik ging verloren (1,2%). Die Ergebnisse wurden überwiegend als gut bezeichnet, 81,6% der Patienten würden sich erneut für den Eingriff entscheiden. Der DASH-Score wurde mit 23±17 angegeben. Die Vancouver Scar Scale zeigte ein nahezu normale Erhabenheit und Vaskularisierung (0,15±0,42 bzw. 0,34±0,64), die Pigmentierung war leicht abnormal (0,81±0,58) und die Hautqualität wurde als geschmeidig bewertet (1,49±1,16).

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der Patienten mit Leistenlappenversorgung waren insgesamt sehr positiv, die meisten Patienten würden sich erneut dieser Operation unterziehen, und der Eingriff ist einfach und sicher durchführbar.

Die Vielzahl an Sekundäroperationen, der lange Krankenhausaufenthalt und die temporäre Immobilisation des betroffenen Arms zeigen jedoch, dass die gestielte Leistenlappenplastik alternativen Verfahren wie Perforator- und Faszienlappen unterlegen ist.

Aus Sicht der Autoren dient der gestielte Leistenlappen aktuell vor allem als Rückzugsoption. Er ist jedoch weiterhin fester Bestandteil rekonstruktiver Konzepte und sollte integrativer Bestandteil des operativen Spektrums bleiben.