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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Prävalenz der Binge-Eating-Disorder und psychiatrische Komorbidität bei adipösen Kindern und Jugendlichen in Reha-Behandlung

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Arne Bürger - Kinder- und Jugendpsychiatrie Unimedizin Mainz, Mainz, Deutschland
  • author Florian Hammerle - Kinder- und Jugendpsychiatrie Unimedizin Mainz, Mainz, Deutschland
  • author Johannes Oepen - Viktoriastift Bad Kreuznach, Rehabilitations- und Vorsorgeklinik, Bad Kreuznach, Deutschland
  • author Michael Huss - Kinder- und Jugendpsychiatrie Unimedizin Mainz, Mainz, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess087

DOI: 10.3205/12dgess087, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0875

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Bürger et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Adipöse Kinder und Jugendliche gelten als Risikogruppe für die Entwicklung psychiatrischer Störungen. Während sich in Feldstudien kein Einfluss der Adipositas auf die psychiatrische Komorbidität zeigt [1], verweisen klinische Untersuchungen auf eine zweifach erhöhte Erkrankungshäufigkeit affektiver Störungen als auch Angsterkrankungen im Vergleich zu gesunden Kontrollprobanden [2]. Vor allem die Entwicklung von regelmäßigen Heißhungerattacken mit Kontrollverlust scheinen einen deutlichen Einfluss auf eine erhöhte psychiatrische Morbidität zu nehmen [3]. Es zeigten sich jedoch uneinheitliche Ergebnisse bezüglich eines gehäuften Auftretens einer Binge-Eating-Disorder bei übergewichtigen Personen [4]. Das Ziel der Studie war es, Auftretenshäufigkeit der Binge-Eating-Disorder und weitere psychiatrische Komorbidität in einer klinischen Stichprobe adipöser Kinder und Jugendlicher zu untersuchen.

Methodik: Die 193 adipösen Kinder und Jugendlichen (Durchschnittsalter 14,9 (SD=1,6), durchschnittlicher BMI 32,73 (SD=5,7)) befanden sich in einer stationären Reha-Behandlung und wurden sowohl mit strukturierten Interviews (K-SADS, ChEDE) als auch mit Selbstbeurteilungsbögen (SCL-90-R, EDI-2, BSQ, BIAQ) untersucht.

Ergebnisse: Bei 15% der Patienten (5% erfüllten die Kriterien einer Binge Eating Störung) kam es zu regelmäßigen Heißhungerattacken mit Kontrollverlust. Über 27% der adipösen Patienten wurde eine komorbide psychiatrische Erkrankung ermittelt. Die Adipösen mit Essattacken zeigten einen deutlich größeren Leidensdruck bzgl. Essen, Figur sowie Gewicht und unterschieden sich in der essstörungsspezifischen Psychopathologie von Adipösen ohne Essattacken (p<.01). Auch im SCL-90-R zeigten sich differentielle Auffälligkeiten auf einigen Skalen.

Diskussion: In der dargestellten Population findet sich eine 2–3-fach erhöhte Prävalenz von Essattacken. Dies zeigt, dass derartige Störungen des Essverhaltens bei Personengruppen mit Adipositas häufiger vorkommen können als in einer Normalpopulation. Auch erfüllten adipöse Kinder und Jugendliche häufiger die Diagnose einer Binge-Eating-Disorder als Personen der Allgemeinbevölkerung [5]. Zusammenfassend zeigt sich weiter, dass konform zu klinischen Untersuchungen diese Personen auch ein höheres Risiko für eine weitere psychische Belastung und Auffälligkeiten aufweisen. Letzteres verdeutlicht die Notwendigkeit einer differenzierten Diagnostik und Behandlung von adipösen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Essattacken.


Literatur

1.
Lamertz CM, Jacobi C, Yassouridis A, Arnold K, Henkel AW. Are obese adolescents and young adults at higher risk for mental disorders? A community survey. Obes Res. 2002;10(11):1152-60.
2.
Britz B, Siegfried W, Ziegler A, Lamertz C, Herpertz-Dahlmann BM, Remschmidt H, Wittchen HU, Hebebrand J. Rates of psychiatric disorders in a clinical study group of adolescents with extreme obesity and in obese adolescents ascertained via a population based study. Int J Obes Relat Metab Disord. 2000;24(12):1707-14.
3.
Hilbert A, Czaja J. Essanfälle und Adipositas im Kindesalter. Psychother Psychosom Med Psychol. 2007;57(11):413-9.
4.
Glasofer DR, Tanofsky-Kraff M, Eddy KT, Yanovski SZ, Theim KR, Mirch MC, Ghorbani S, Ranzenhofer LM, Haaga D, Yanovski JA. Binge eating in overweight treatment-seeking adolescents. J Pediatr Psychol. 2007;32(1):95-105.
5.
Munsch S. Binge Eating: Kognitive Verhaltenstherapie bei Essanfällen. Berlin [u.a.]: BeltzPVU; 2003.