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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Essstörungen und ihre Risikofaktoren im Hochleistungssport

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Pia Thiemann - LWL-Universitätsklinik Bochum, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Bochum, Deutschland
  • author Tanja Legenbauer - LWL-Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Hamm, Deutschland
  • author Silja Vocks - Universität Osnabrück, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Osnabrück, Deutschland
  • author Petra Platen - Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung Essstörungen, Bochum, Deutschland
  • author Stephan Herpertz - LWL-Universitätsklinik Bochum, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Bochum, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess060

DOI: 10.3205/12dgess060, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0600

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Thiemann et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Internationale Befunde (wie [1]) belegen, dass Hochleistungssportlerinnen ästhetischer Sportarten eine Risikopopulation für Essstörungen darstellen. Die vorliegende Untersuchung prüft den Risikogruppenstatus und das Risikofaktorenprofil einer Stichprobe deutscher Spitzensportlerinnen aus ästhetischen Sportarten.

Methodik: In einer Querschnittsstudie wurden u.a. zur Olympiavorbereitung 2010 mittels klinischem Interview und Fragebögen die psychische Gesundheit, das Essverhalten und potentielle Risikofaktoren in drei Gruppen erhoben. Daten von Athletinnen ästhetischer Sportarten (n=46) wurden mit zwei Kontrollgruppen, einer altersgematchten Gruppe von Nicht-Athletinnen (n=46) und Ballsportlerinnen (n=62) über multivariate Kovarianzanalysen und non-parametrische Tests verglichen.

Ergebnisse: Signifikant mehr Athletinnen ästhetischer Sportarten (17%) als Ballsportlerinnen (3%, (p<0.05)) und Nicht-Athletinnen (2%; (p<0.05)) litten unter Essstörungen (SKID-I). Im Vergleich zu Ballsportlerinnen maßen Athletinnen ästhetischer Sportarten Figur und Gewicht für den Sport mehr Bedeutung bei (visuelle Analogskalen, (p<0.01)). Sie erlebten einen stärkeren Druck der sportlichen Umwelt bezogen auf Figur/Gewicht (ATH, (p<0.01)) und signifikant häufiger verbale Kritik des Trainers (Community-Based Case Control Study Items (p<0.05)). Im Ausprägungsgrad allgemeiner Risikofaktoren, wie Körperunzufriedenheit (EDI-2 UK) oder Druck, dem gesellschaftlichen Schlankheitsideal zu entsprechen und dessen Internalisierungsgrads (SATAQ) glichen sie Nicht-Athletinnen. Verglichen mit den Kontrollgruppen strebten ästhetische Sportlerinnen eine höhere Gewichtsabnahme (p<0.01) an und zeigten gezügelteres Essverhalten bei stärkerer gedanklicher Fixierung auf Figur/Gewicht (EDI-2 SS, EDE-Q, FEV R; (p<0.05)).

Diskussion: Athletinnen ästhetischer Sportarten leiden signifikant häufiger unter Essstörungen als Athletinnen aus nicht-ästhetischer Sportarten oder Nicht-Athletinnen. Sportspezifische Risikofaktoren bedingen wahrscheinlich das erhöhte Risiko. Dies wird z.Zt. in einer Längsschnittstudie überprüft


Literatur

1.
Sundgot-Borgen J. Prevalence of Eating Disorders in Elite Female Athletes. International Journal of Sport Nutrition. 1993;3:29-40.