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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Kognitive Funktionen bei early-onset Anorexia nervosa

Meeting Abstract

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess058

DOI: 10.3205/12dgess058, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0589

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 van Noort et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Early-onset Anorexia nervosa (EOA) beginnt vor dem 14. Lebensjahr [1]. Studien an Jugendlichen und Erwachsenen mit Anorexia nervosa (AN) verdeutlichen Defizite der kognitiven Flexibilität [2], zentralen Kohärenz [3] und visuell-räumlichen Fähigkeiten [4]. Bisher fehlen standardisierte neuropsychologische Untersuchungen an Patientinnen mit EOA. Kenntnisse über kognitive Funktionen dieser zunehmenden Patientenpopulation stellen eine essentielle Grundlage für die Entwicklung geeigneter Interventionen dar. Ziel des Forschungsprojekts ist es daher, die kognitiven Funktionen dieser jungen Patientinnen strukturiert zu untersuchen.

Methodik: Patientinnen mit EOA im Alter von 8–14 Jahren werden bei Aufnahme und Entlassung mit dem sogenannten „Ravello Profil“ [5] untersucht. Dieses beinhaltet verschiedene standardisierte neuropsychologische Tests für folgende kognitive Bereiche: Flexibilität, Sprachgewandtheit, zentrale Kohärenz, visuelles Gedächtnis, und kognitive Inhibition. Anhand standardisierter Interviews und Fragebögen werden Symptome der Essstörung, sowie Zwangs-, Depressions- und Angstsymptome erfasst. Als Vergleichsgruppe werden altersgematchte gesunde Kontrollprobanden untersucht. Das „Ravello Profil“ wird für den deutschen Sprachraum adaptiert.

Ergebnisse: Das „Ravello Profil“ ist im deutschen Sprachraum gut einsetzbar. Erste Resultate der Studie zeigen eine hohe Varianz der neuropsychologischen Profile der EOA. Diese werden im Vergleich zu Kontrollprobanden dargestellt und Möglichkeiten und Grenzen des „Ravello Profils“ werden diskutiert.

Diskussion: Das adaptierte „Ravello Profil“ ermöglicht einen internationalen Austausch hinsichtlich kognitiver Funktionen bei EAO. Das heterogene Bild der kognitiven Profile betont die Wichtigkeit weiterer systematischer Untersuchungen dieser sehr jungen Patientinnen. Therapieformen zur Behandlung kognitiver Defizite, wie die Cognitive Remediation Therapy (CRT) für Jugendliche [6], scheinen auch für diese Patientengruppe vielversprechend.


Literatur

1.
Lask B, Bryant-Waugh R, eds. Childhood Onset Anorexia Nervosa and Related Eating Disorders. Hove (UK): Lawrence Erlbaum Associates; 1993.
2.
Roberts ME, Tchanturia K, Treasure JL. Exploring the neurocognitive signature of poor set-shifting in anorexia and bulimia nervosa. J Psychiatr Res. 2007;44:964-70.
3.
Lopez C, Tchanturia K, Stahl D, Booth R, Holliday J, Treasure J. An examination of the concept of central coherence in women with anorexia nervosa. Int J Eat Disord. 2008;41:143-52.
4.
Lena SM, Fiocco AJ, Leyenaar JK. The role of cognitive deficits in the development of eating disorders. Neuropsychol Rev. 2004;14:99-113.
5.
Rose M, David J, Frampton I, Lask B. The Ravello Profile: development of a global standard neuropsychological assessment for young people with anorexia nervosa. Clin Child Psychol Psychiatry. 2011;16(2):195-202.
6.
Lask B, Frampton I, eds. Eating disorders and the brain. Wiley Blackwell; 2011.