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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Bedeutung der Impulsivität für den Gewichtsverlauf nach Adipositastherapie – Symposium Impulskontrolle bei Adipositas

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Tanja Legenbauer - LWL Universitätsklinik Hamm der Ruhr Universität Bochum, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Hamm, Deutschland
  • author Stephan Herpertz - Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LWL Universitätsklinik der Ruhr Universität Bochum, Bochum, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess051

DOI: 10.3205/12dgess051, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0510

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Legenbauer et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Bisherige Forschung zeigt, dass adipöse Menschen mehr Schwierigkeiten zu haben scheinen, der Versuchung von Nahrungsmitteln zu wiederstehen trotz der daraus folgenden negativen Konsequenzen. Daher ist die Erforschung des Einflusses von Impulsivität auf die Entwicklung bzw. Aufrechterhaltung von Adipositas in den letzten Jahren intensiviert worden mit unterschiedlichen Ergebnissen. Unklar ist vor allem, inwiefern der Gewichtsverlauf in und nach Gewichtsreduktionsmaßnahmen durch eine erhöhte Impulsivität beeinträchtigt wird.

Methodik: Daten einer multizentrischen prospektiven Studie zum Gewichtsverlauf nach Adipositastherapie (EBOTS) wurden hinsichtlich des Einflusses von Impulsivität (Barett Impulsivity Scale, BIS) auf den kurz- und langfristigen Gewichtsverlauf untersucht. N=251 adipöse Probanden, die an einer konservativen Gewichtsreduktionsmaßnahme teilnahmen (Optifast®), n=150 Patienten mit dem Anliegen einer Adipositaschirurgie (restriktive Operationsmethode) und n=128 adipöse Probanden ohne Gewichtsreduktionsanliegen wurden in die Analyse aufgenommen. Die Probanden wurden vor und mehrfach nach der Gewichtsreduktionsmaßnahme (ein, zwei und vier Jahre später) befragt. Analysiert wurden für die vorliegende Fragestellung die Daten der vier Jahres-Katamnese.

Ergebnisse: Es zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen nur auf einer Subskala der BIS. Signifikante Korrelationen zwischen dem Grad der Impulsivität und dem kurz- bzw. langfristigen Gewichtsverlauf konnten nicht nachgewiesen werden. Einzig ein Zusammenhang zum Grad der Störbarkeit des Essverhaltens erfasst mit der Subskala „Enthemmung“ des Fragebogens zum Essverhalten deutete auf einen indirekten Einfluss von Impulsivität auf den Gewichtsverlauf hin.

Diskussion: Die Befunde unterstützen bisherige Ergebnisse teilweise. Möglicherweise sind nur spezifische Aspekte des Impulsivitätskonstrukts wie Belohnungssensitivität/Hemmungsfähigkeit für den Gewichtsverlauf relevant, die nicht über Selbstbericht messbar sind. Die Erfassung von unterschiedlichen Impulsivitätsaspekten ist notwendig, um eindeutigere Aussagen machen zu können.