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1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

8. ? 10.11.2007, Prien am Chiemsee

Essverhalten, Emotion und Stress: Ergebnisse einer Schülerbefragung in Süddeutschland

Meeting Abstract

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  • corresponding author C. Lohr - Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL), Universität Ulm
  • A.-K. Wietasch - Ulm

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen. 1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). Prien am Chiemsee, 08.-10.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgessP9

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgess2007/07dgess83.shtml

Veröffentlicht: 24. Oktober 2007

© 2007 Lohr et al.
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Gliederung

Text

Aktuelle Studien berichten eine Zunahme von Übergewicht bei Jugendlichen. So verzeichnet z.B. die KIGGS-Studie auf der Basis von Referenzdaten von 1985 bis 1999 einen Anstieg von 50% in Deutschland (aktuelle Kinder- und Jugendgesunheitsstudie des Robert-Koch-Instituts). Demgegenüber stehen Beobachtungen, dass jedes dritte Mädchen unter 10 Jahren und 60% der 15 Jährigen schon Diäterfahrungen gesammelt haben (Forsa-Studie, BMG und BzgA, 2000). Als generelle Moderatorvariablen für die Entstehung von klinisch relevanten Essstörungen (Anorexia und Bulimia nervosa) bzw. der Adipositas werden neben einer Vielzahl weiterer Faktoren in neuerer Zeit immer wieder Prozesse der Emotionalität und Emotionsregulation auch auf neurobiologischer Ebene diskutiert. Die folgende Studie dient der Erfassung von Indikatoren eines dysfunktionalen Essverhaltens einerseits und Prozessen der Emotionsregulation und Stressbelastung andererseits in einer Stichprobe von Schülerinnen und Schülern in Süddeutschland.

Es wurde eine Online-Befragung an 175 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 20 Jahren durchgeführt. Inhalte der Befragung waren Diätverhalten, Umgang mit Gefühlen, ein Screening-Instrument zur Erfassung gestörten Essverhaltens und ein ausführliches Stressinventar. Die Befragung fand innerhalb von zwei Schulformen statt: Gymnasium und Berufsschule.

Es fanden sich in dieser Stichprobe Geschlechtsunterschiede bezüglich des generellen Essverhaltens und der Anzahl von Diäten: Mädchen zeigen ein eher restriktives Essverhalten bei jedoch generell funktionaleren Strategien des Umgangs mit Stress und belastenden Emotionen. Es fanden sich hier anteilig mehr Jugendliche als bei den Jungen, die ein erhöhtes Risiko aufwiesen, eine Esstörung zu entwickeln. Das Essverhalten der Jungen ist günstiger und sie nutzen die modernen Medien häufiger als Mädchen. Die Jugen dieser Stichprobe waren allerdings generell durch eher ungünstigen Strategien der Emotionsregulation gekennzeichnet. Bezüglich des Essverhaltens fanden sich zudem Schul- und altersabhängige Befunde.

Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der Entwicklung emotionaler Fähigkeiten im Jugendalter bei Jungen und Mädchen und ihrer Zusammenhänge zur Entstehung klinisch relevanter Essstörungen diskutiert. Die vorliegenden Daten stellen eine erste Erhebung dar, die an einer größeren Stichprobe fortgesetzt werden soll. Die eingesetzten Instrumente haben sich dabei bewährt, um Zusammenhänge zwischen den Konstrukten Essverhalten, Emotion und Stress repräsentativ abbilden zu können.