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1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

8. ? 10.11.2007, Prien am Chiemsee

Neurologische Softsigns und Graphomotorik bei Patientinnen mit Anorexia nervosa

Meeting Abstract

  • corresponding author K. Goldhahn - Charité Berlin
  • S. Ehrlich - Berlin
  • H. Salbach - Berlin
  • E. Pfeiffer - Berlin
  • U. Lehmkuhl - Berlin
  • R. Burghardt - Berlin

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen. 1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). Prien am Chiemsee, 08.-10.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgessP8

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgess2007/07dgess82.shtml

Veröffentlicht: 24. Oktober 2007

© 2007 Goldhahn et al.
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Gliederung

Text

Zahlreiche Untersuchungen haben in den letzten Jahren gezeigt, dass Patientinnen mit Anorexia nervosa (AN) morphologische und funktionelle Hirnveränderungen aufzeigen. Vergrößerte Hirnventrikel, erhöhtes Liquorvolumen, verringerte graue und weiße Substanz sowie Hypometabolismus im Parietal- und Frontallappen wurden bereits mehrfach in MRT-Studien nachgewiesen (Katzman et al., 1996; Delvenne et al., 1997). Veränderungen im präfrontalen Kortex und im anterioren Cingulum bildeten sich selbst nach Gewichtsrehabilitation nicht zurück (Frank et al., 2004). Zusätzlich zeigten neuropsychologische Studien bei Anorexiepatientinnen eine deutliche Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, des verbalen Lernens und der Psychomotorik (Duschesne et al., 2004).

In unserer Stichprobe haben wir bisher 23 Patientinnen (mittleres Alter 18,0 Jahre, SD 3,6) mit akuter AN (BMI <3. Altersperzentile) und 21 gesunde normalgewichtige Probandinnen (mittleres Alter 17,5 Jahre, SD 3,4) auf neurologische softsigns untersucht. Diagnose, Komorbiditäten und Psychopathologie wurden für alle Teilnehmer mit folgenden Verfahren erhoben: Ausführliche Anamnese, Stukturiertes Inventar für Anorektische und Bulimische Essstörungen nach DSM-IV und ICD-10 (SIAB), Eating Disorder Inventory(EDI), Symptom Checklist (SCL-90-R) und Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventar (PSSI).

Die Untersuchung diskreter motorischer Auffälligkeiten, sog. neurologischer softsigns, erfolgte zum einen mit der Neurological Evaluation Scale (NES). Diese standardisierte neurologische Untersuchung fokussiert vor allem die Koordination komplexer Bewegungsabläufe. Zusätzlich führten wir bei unserer Stichprobe eine Untersuchung von Schreib- und Zeichenbewegungen (Manumotorik) mittels eines digitalen Schreibtabletts durch. Dabei werden durch eine computergestützte Analyse verschiedene Parameter von Bewegungen (Geschwindigkeit, Beschleunigung und Automationsgrad) erfasst und verglichen.

Die in anderen Studien gefundenen Einflußvariabeln wie Alter, Händigkeit, verbale Intelligenz und Präferenz manumotorischer Aktivitäten wurden erfasst und die Gruppen entsprechend parallelisiert. Zusätzlich untersuchen wir derzeit im Rahmen einer Longitudinalstudie die Patientinnen im Verlauf nach Gewichtsrehabilitation zum zweiten Mal.

Erste Ergebnisse der untersuchten Stichproben zeigten einen signifikanten Unterschied der NES-Werte zwischen Patientinnen (Mittelwert 4,96) und Probandinnen (Mittelwert 3,29) (gepaarter T-Test Signifikanz p<0.05).

In der Schreibmotorikanalyse zeigte sich zwischen den Patientinnen und der Kontrollguppe beim Zeichnen schneller Kreise mit Ablenkung ein Unterschied in den Geschwindigkeitswechseln pro Bewegungsabschnitt (NIV), welcher als Parameter einer automatisierten Bewegung verstanden wird.

Der statische Trend im sogenannten Automationsgrad (% of NIV=1) im Vergleich zwischen Patientinnen (93.57%, SD 10.50) und Probandinnen (97.18%, SD 3.44) blieb bislang nicht signifikant (p>0.05). Die Auswertung der übrigen Parameter zeigten bislang keinen relevanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Patientinnen mit AN zeigen signifikant mehr neurologische softsigns in der standardisierten Untersuchung komplexer motorischer Abläufe (NES) sowie die Tendenz eines verringerten Automationsgrades in der manumotorischen Analyse. Die Untersuchung weiterer Patienten und Kontrollpersonen im Rahmen der laufenden Studie wird zeigen, inwiefern unsere Hypothese der Auswirkung des Untergewichts bei AN auf die Motorik bestätigt werden kann.