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1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

8. ? 10.11.2007, Prien am Chiemsee

Wirksamkeit stationärer psychosomatischer Rehabilitation bei Patienten mit Essstörungen von 1998 - 2007

Meeting Abstract

  • corresponding author R. Mestel - Klinik für Psychosomatische Medizin Bad Grönenbach
  • A. Grinschgl - Klinik für Psychosomatische Medizin Bad Grönenbach
  • V. Bracke - Klinik für Psychosomatische Medizin Bad Grönenbach
  • J. von Wahlert - Klinik für Psychosomatische Medizin Bad Grönenbach

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen. 1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). Prien am Chiemsee, 08.-10.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgessV13

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgess2007/07dgess56.shtml

Veröffentlicht: 24. Oktober 2007

© 2007 Mestel et al.
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Gliederung

Text

Wie wirksam ist die integrative stationäre Behandlung an einer Psychosomatischen Klinik bei Patienten mit Essstörungen im Zeitraum von Therapiebeginn und Therapieende? Gibt es Wirksamkeitsunterschiede zwischen den vier Essstörungsuntergruppen Bulimie, Anorexie, nicht näher bezeichneter Essstörung (meist Binge-Eating-Disorder) und Adipositas?

Untersucht wurden über den Zeitraum von zehn Jahren alle konsekutiv aufgenommenen n=3.104 Patienten mit Essstörungen (38,3% aller behandelten Patienten) an einer psychosomatischen Klinik. 11% erhielten die Essstörung als Hauptdiagnose und innerhalb der Esstörungsgruppe wiesen 9,8% eine Anorexie, 34,7% eine Bulimie, 8,3% eine Adipositas und 47,1% eine nicht näher bezeichnete Essstörung auf. 88,5% waren Frauen und das durchschnittliche Alter betrug 33,3 Jahre, der mittlere Beeinträchtigungsschwerescore (BSS) 7,37 und die Chronifizierung der Hauptdiagnose lag bei 11 Jahren. Der mittlere Depressionswert (BDI) bei Behandlungsbeginn lag bei 22 und der globale Beschwerdeindex (GSI der SCL-90-R) bei 1,35. Zwischen den Essstörungsuntergruppen ergaben sich naturgemäß zahlreiche Unterschiede, wobei hervorzuheben ist, dass die Gruppe der Adipösen psychopathologisch gesehen die unauffälligste war. Die Behandlung war integrativ psychodynamisch-humanistisch-verhaltenstherapeutisch ausgelegt. 82,6% beendeten sie regulär und die durchschnittliche Verweildauer betrug über alle essgestörten Patienten 59,1 Tage. Der Therapieerfolg wurde mit den Breitbandinventaren SCL-90-R (Symptomcheckliste), dem Beck Depressions-inventar (BDI) und dem Inventar Interpersoneller Probleme (IIP) gemessen, ergänzt um störungsspezifische Essstörungsitems und den Skalen Bulimie und Schlankheitsstreben des Eating Disorder Inventory, Version 2 (EDI-2). Zudem wurden als globale Veränderungsmaße zum Entlassungszeitpunkt neben dem Zufriedenheitsfragebogen mit der Behandlung (ZUF-8) der Fragebogen zur Veränderung des Erlebens und Verhaltens (VEV-K) und mehrere Veränderungsitems aus der Psy-Bado herangezogen.

Über alle Essstörungsgruppen ergaben sich im prä-post-Vergleich hochsignifikante (p<.001; Effektstärken in der Folge in Klammern) Verbesserungen für die Skalen GSI (SCL-90-R; ES=.82), BDI (ES=1.04), Summe interpersoneller Probleme (IIP; ES=.70), Bulimie (EDI-2, ES=.79), Schlankheitsstreben (EDI-2; ES=.49). Die Patienten schenkten der Figur gegen Ende der Behandlung etwas weniger Beachtung (p<.001; ES=.38) und fürchteten sich weniger davor, dick zu werden (p<.001; ES=.31). 72,6% gaben eine signifikanten (p<.001) Zugewinn an Optimismus an (VEV-K Summenwert >115) und 57,3% wiesen eine sehr hohe Zufriedenheit mit der Behandlung (ZUF-8 >26) auf. 87,3% der Patienten und Therapeuten gaben eine ziemliche bis sehr starke Verbesserung ihrer psychischen Beschwerden an. Die Gruppe der Adipösen nahm signifikant an Gewicht ab (p<.001; durchschnittlich 6,5kg; ES=.35; BMI-prä 36; BMI-post 34,2). Die Anorektikerinnen nahmen im Schnitt 3,7kg zu (p<.001; ES=.34; BMI-prä 18,1; BMI-post 19,5), während die Bulimikerinnen und nicht näher bezeichneten Essstörungen beide signifikant abnahmen (p<.001; ES=.06 und ES=.24). Zwischen den vier Essstörungsuntergruppen ergaben sich keine Unterschiede (p< .05) im Therapieerfolg für die Globalskalen ZUF-8, VEV-K, den meisten Psy-Bado-Veränderungsitems und den prä-post-Unterschieden im BSS, BDI, GSI und IIP-Rohwertsumme. Katamnesen an ausgewählten Essstörungsstichproben bestätigen die dauerhafte Wirksamkeit der Behandlung für die Mehrzahl der essgestörten Patienten.

Die Rehabehandlung essgestörter Patientinnen ist hinsichtlich der störungsübergreifenden und störungsspezifischen Bereiche für die meisten Patienten wirksam, wobei die Effekte für den globalen Therapieerfolg etwas günstiger ausfallen im Vergleich zu den Skalen, welche direkt Essstörungen messen (EDI-2; Gewicht). Die Behandlung fiel für die vier Essstörungsgruppen weitgehend gleich wirksam aus.