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1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

8. ? 10.11.2007, Prien am Chiemsee

Epigenetische Dysregulation der DAT und DRD2 aber nicht der DRD4 mRNA Expression bei Patientinnen mit Essstörungen

Meeting Abstract

  • corresponding author H. Frieling - Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen
  • M. de Zwaan - Erlangen
  • J. Kornhuber - Erlangen
  • G. E. Jacoby - Erlangen
  • T. Hillemacher - Erlangen
  • S. Bleich - Erlangen

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen. 1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). Prien am Chiemsee, 08.-10.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgessV4

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgess2007/07dgess47.shtml

Veröffentlicht: 24. Oktober 2007

© 2007 Frieling et al.
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Gliederung

Text

In den vergangenen Jahren ist die Erforschung der neurobiologischen Veränderungen, die im Rahmen von Essstörungen wie Anorexia (AN) und Bulimia nervosa (BN) auftreten, auf ein vermehrtes Interesse gestoßen. Dabei wurden unter anderem Störungen der dopaminergen Neurotransmission beschrieben [1]. Mögliche Veränderungen der zentralen Expression der mRNA von dopaminergen Zielgenen finden ihren Widerhall auch im peripheren Blut. Wir konnten zeigen, dass epigenetische Veränderungen wie DNA Hyper- oder Hypomethylierung im Rahmen von Essstörungen auftreten [2]. Die vorliegende Studie sollte daher der Frage nachgehen, ob periphere Veränderungen der Expression dopaminerger Zielgene im Blut von Patientinnen nachweisbar sind und ob diesen eine Störung der DNA-Methylierung zu grunde liegt.

Es wurden gDNA und cDNA Bibliotheken, die von 46 akut erkrankten Patientinnen mit Essstörungen (22 AN, 24 BN) und 30 gesunden Kontrollprobandinnen im Rahmen der HEaD (Homocysteine and Eating Disorders) Studie [3] gesammelt worden sind, untersucht. Alle Patientinnen waren stationär in der Klinik am Korso, Bad Oeynhausen, aufgenommen worden. Blutproben wurden am Morgen nach der stationären Aufnahme abgenommen. Blutproben wurden am Morgen nach der stationären Aufnahme abgenommen. Mittels quantitativer real-time PCR wurden sowohl die Expression als auch die Gen-Promoter spezifische DNA Methylierung des Dopamin Transporters (DAT) und der Dopamin-Rezeptoren D2 und D4 bestimmt.

Beide Patientengruppen (AN und BN) zeigten eine erhöhte mRNA Expression von DAT, verglichen mit en Kontrollen (AN: ΔCT=-10.8±4.1; BN: ΔCT=-10.3±3.0; Cont: ΔCT=-13.3±3.2; ANOVA: F=4.69; P=0.013; Bonferroni post test AN vs. Cont. P<0.05; BN vs Cont. P<0.05) und eine down-Regulation der DRD2 Expression (AN: ΔCT=-15.3±3.6; BN: ΔCT=-15.9±2.5; Cont: ΔCT=-9.8±4.2; ANOVA: F=20.9; P<0.0001; Bonferroni post test AN vs. Cont. P<0.001; BN vs. Cont. P<0.001). Die Expression von DRD4 zeigte sich unverändert. Die vermehrte Expression des DAT-Gens wurde von einer Hypermethylierung des Genpromoters bei den Patientengruppen begleitet (DAT: AN: 89.4%±11.4; BN: 87.7%±16.2; Cont: 72.8%±22.2; ANOVA: F=6.4; P=0.003; Bonferroni: AN vs. Cont. P<0.01; BN vs. Cont. P<0.05). eine signifikante Hypermethylierung des DRD2 Promoters konnte nur für die AN-Gruppe nachgewiesen werden (D2: AN: 93.4%±8.9; BN: 85.5%±17.2; Cont: 73.8%±25.8; ANOVA: F=4.7; P=0.013; Bonferroni: AN vs. Cont. P<0.05). Auch für die DNA-Methylierung fand sich kein Unterscheid zwischen den Gruppen bezüglich DRD4.

Unsere Studie unterstreicht beide Hypothesen, da wir eine gestörte Expression dopaminerger Gene finden, die von einer Dysregulation der epigenetischen DNA-Methylierung begleitet wird. Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, ist es unmöglich festzustellen, ob diese Veränderungen der Erkrankung zu Grunde liegen oder aber eine Folge der Mangelernährung sind. Vor allem Längsschnittuntersuchungen sind notwendig, um die genaue Rolle der epigenetischen Dysregulation dopaminerger Zielgene im Rahmen von Essstörungen aufzuklären.

Diese Arbeit wurde durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG; SB 577/2-1) unterstützt.


Literatur

1.
Kaye WH, Frank GK, McConaha C. Altered dopamine activity after recovery from restricting-type anorexia nervosa. Neuropsychopharmacology. 1999;21:503-6.
2.
Frieling H, Gozner A, Römer KD, Lenz B, Bönsch D, Wilhelm J, Hillemacher T, de Zwaan M, Kornhuber J, Bleich S. Global DNA hypomethylation and DNA hypermethylation of the alpha synuclein promoter in females with anorexia nervosa. Mol Psychiatry. 2007;12:229-30.
3.
Frieling H, Römer K, Röschke B, Bönsch D, Wilhelm J, Fiszer R, de Zwaan M, Jacoby GE, Kornhuber J, Bleich S. Homocysteine plasma levels are elevated in females with anorexia nervosa. J Neural Transm. 2005;112:979-85.