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1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

8. ? 10.11.2007, Prien am Chiemsee

Funktionelle Neuroanatomie der Reaktion essgestörter Patientinnen und gesunder Kontrollen auf super schlanke Körper von Models – ein körperfigurbezogenes soziales Vergleichsparadigma

Meeting Abstract

  • corresponding author H. C. Friederich - Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung für Psychosomatische Medizin
  • R. Uher - Institute of Psychiatry, King’s College London, UK
  • S. Brooks - Institute of Psychiatry, King’s College London, UK
  • V. Giampietro - Institute of Psychiatry, King’s College London, UK
  • M. Brammer - Institute of Psychiatry, King’s College London, UK
  • S. Williams - Institute of Psychiatry, King’s College London, UK
  • I. Campbell - Institute of Psychiatry, King’s College London, UK
  • J. Treasure - Institute of Psychiatry, King’s College London, UK

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen. 1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). Prien am Chiemsee, 08.-10.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgess27

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgess2007/07dgess27.shtml

Veröffentlicht: 24. Oktober 2007

© 2007 Friederich et al.
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Gliederung

Text

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper sowie die gestörte eigene Körperwahrnehmung zählen zu den Kernsymptomen der Anorexia nervosa. Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die funktionelle Neuroanatomie der Informationsverarbeitung in Reaktion auf Bilder sehr schlanker Models bei gesunden jungen Frauen sowie Patientinnen mit einer Anorexia nervosa näher zu charakterisieren.

Die neuronale Aktivierung in Reaktion auf schlanke Körperfiguren (aktive Bedingung) bzw. Beispiele für Inneneinrichtungen (Kontrollbedingung) wurde mittels funktioneller MRT bei 18 gesunden Kontrollen und 17 AN-Patientinnen untersucht. Durch Instruktionen wurden die Probandinnen aufgefordert ihren eigenen Körper/ die eigene Einrichtung zu Hause zu vergleichen mit den Bildern. Während der Darbietung der Bilder wurde die subjektive Angst der Probandinnen erfasst.

In der aktiven Bedingung zeigte sich für die Kontrollen und Patientinnen eine Aktivierung des allgemeinen Netzwerkes zur Verarbeitung von Körperfiguren, bestehend aus den bilateralen fusiformen Gyri, dem rechten inferioren Parietallappen und dem rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex. Zusätzlich zeigte sich bei den gesunden Kontrollen eine Aktivierung des ventralen anterioren Cingulums sowie bei den Patientinnen eine Aktivierung im Bereich des medialen parietalen Kortex (Präcuneus). Für die gesunden Kontrollen zeigte sich ein enger Zusammenhang zwischen dem subjektiven Angstrating und der Aktivierung des neuronalen Angstnetzwerkes, einschließlich der linken Amygdala [1]. Patientinnen mit zunehmender subjektiver Angst auf die Körperbilder zeigten hingegen eine intensivere Aktivierung im Bereich des Netzwerkes für die Verarbeitung selbstbezogener Informationen im Sinne der Selbstreflexion und Selbstbewertung (Präcuneus, posteriores Cingulum, dorsales anteriores Cingulum). Ein Zusammenhang für das letztgenannte Netzwerk zeigte sich bei den Patientinnen auch mit zunehmender Dauer der Erkrankung.

Das negative Körperfigur-Selbstvergleichsparadigma der vorliegenden Studie weist auf Unterschiede in der kognitiv-emotionalen Verarbeitung zwischen AN-Patientinnen und gesunden Kontrollen hin. AN-Patientinnen mit chronischem Verlauf zeigten im Gegensatz zu den gesunden Kontrollen eine eher kognitive und geringere emotionale Verarbeitung, assoziiert mit einer Aktivierung höher gelegener assoziativer Kortexbereiche.


Literatur

1.
Friederich HC, Uher R, Brooks S, Giampietro V, Brammer M, Williams S, Treasure J, Campbell I. I'm not as slim as that girl: neural bases of body shape self comparison to media images. Neuroimage. 2007 (in press).