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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Risikofaktoren und Outcome der nekrotiserenden Fasziitis

Meeting Abstract

  • Sven Hungerer - BG Unfallklinik Murnau, Septische rekonstruktive Chirurgie, Murnau
  • Matthias Militz - BG Unfallklinik Murnau, Septische rekonstruktive Chirurgie, Murnau
  • Thomas von Stein - BG Unfallklinik Murnau, Septische rekonstruktive Chirurgie, Murnau
  • Volker Bühren - BG Unfallklinik Murnau, Unfallchirurgie, Murnau

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch624

DOI: 10.3205/12dgch624, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch6240

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Hungerer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die nekrotisierende Fasziitis ist eine pathologische Definition einer z. T. fulminant fortschreitenden Weichteilentzündung mit Gangrän. Neben Streptokokken, können andere gram positive oder negative Bakterien ursächlich sein oder Mischinfektionen vorliegen. Der klinische Verlauf ist durch eine hohe Morbidität und Mortalität gekennzeichnet. Ziel der vorliegenden Studie ist es das aktuelle Outcome der nekrotisierenden Fasziitis zu erfassen sowie die prädisponierenden Risikofaktoren.

Material und Methoden: Es wurden seit 2004 die Patientendaten analysiert und prospektiv erfasst. Der möglicher Auslöser, der Verlauf der Erkrankung, die Nebendiagnosen, das Keimspektrum und das Outcome in Bezug auf Intensivstationaufenthalt, Krankenhaussterblichkeit und Amputationshäufigkeit wurden erfasst. Neben chirurgischer und intensivmedizinischen Therapie wurde eine hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) durchgeführt.

Ergebnisse: Bisher wurden 80 Patienten mit der Diagnose einer nekrotisierenden Fasziitis erfasst. Das mittlere Alter der Patienten betrug 58±15 Jahre zum Zeitpunkt der Aufnahme. 73% der Patienten waren männlich, 27% weiblich. 81% der Patienten wurden zu verlegt. 86% der Patienten waren intensivpflichtig und 51% erhielten Katecholamine zum Zeitpunkt der Aufnahme. Die Krankenhausmortalität betrug 31%. Im Schnitt wurden 3,2±1,6 Begleiterkrankungen gezählt. Die Hitliste der prädisponierenden Risikofaktoren sind in absteigender Reihenfolge Diabetes mellitus, Adipositas, pAVK und neurologische Erkrankungen. Betroffen waren in 20% die oberen Extremitäten, 53% untere Extremitäten, 25% das Becken und bei 34% der Rumpf. Bei 80% der Verstorbenen waren die Beckenregion oder der Rumpf mitbetroffen. Bei 44% mussten Amputation der Extremitäten durchgeführt werden. Die höchste Mortalität mit 62%. fand sich bei Patienten, die zuvor intramuskuläre Injektion erhalten hatten.

Schlussfolgerung: Die nekrotisierende Fasziitis bleibt eine interdisziplinäre Herausforderung für Schwerpunktzentren. Trotz eines hohen logistischen Aufwandes, zusätzlichen adjuvanten Therapieoptionen und initial radikaler chirurgischer Therapie ist die Mortalität hoch. Das prognostisch ungünstigste Faktor ist die Mitbeteiligung vom Rumpf oder Becken und daher auch die hohe Mortalität nach Injektionen. Risikofaktoren verschlechtern die Prognose. Das Keimspektrum ist vielfältig und nicht wegweisend in der Diagnose der Fasziitis. Entscheidend für die Indikation zur Chirurgie und frühzeitigen Amputation bleibt die Klinik.