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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

„Diabetesversager“ – welche Faktoren prädisponieren für ein Versagen metabolischer Chirurgie frühpostoperativ?

Meeting Abstract

  • Christian Wichelmann - Universitätsklinikum Würzburg, Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie, Würzburg
  • Dorothea Hartmann - Universitätsklinik Würzburg, Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- u. Kinderchirurgie, Würzburg
  • Andreas Thalheimer - Universitätsklinik Würzburg, Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- u. Kinderchirurgie, Würzburg
  • Gwendolyn Bender - Universitätsklinikum Würzburg, Endokrinologie, Würzburg
  • Florian Seyfried - Universitätsklinik Würzburg, Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- u. Kinderchirurgie, Würzburg
  • Christoph-Thomas Germer - Universitätsklinik Würzburg, Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- u. Kinderchirurgie, Würzburg
  • Christian Jurowich - Universitätsklinik Würzburg, Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- u. Kinderchirurgie, Würzburg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch589

DOI: 10.3205/12dgch589, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch5894

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Wichelmann et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die immensen, positiven Auswirkungen der bariatrischen Chirurgie auf adipositas-assoziierte Begleiterkrankungen, allen voran den Typ II Diabetes mellitus, sind vielfach beschrieben und durch Studien belegt. Remissionsraten von bis zu 80% können erwartet werden. Dieser „metabolische Effekt“ scheint Gewichtsverlust-unabhängig und tritt meistens im unmittelbar früh-postoperativen Verlauf ein, binnen Tagen und Wochen. Dennoch gibt es einige Patienten, deren diabetische Stoffwechsellage im frühpostoperativen Verlauf nicht auf die bariatrische Massnahme anspricht. Dieses Kollektiv zu charakterisieren und mögliche Prädiktoren eines metabolischen „Nicht-Ansprechens“ zu isolieren, ist Vorhaben der vorliegenden Studie.

Material und Methoden: Es erfolgte die prospektive Datenerhebung von 235 Patientinnen und Patienten, die sich von 2005-2011 in unserem universitären Adipositaszentrum einem bariatrischen Eingriff (Band, Schlauchmagen, Bypass) unterzogen. Analog der WHO-Definition wurden 83 Diabetiker identifiziert. „Metabolisches Nichtansprechen“ wurde definiert als Nicht-Erreichen eines Insulin-Quotienten präop/postop <4, oraler Medikation präop/postop <2 oder Reduktion des präoperativen HbA1c um min. 0,5% bzw. Nicht-Erreichen von Standardwerten <6,5%). Drei Monate postoperativ erfolgte die univariate Regressionsanalyse in Bezug auf Alter, BMI präoperativ, Diabetesdauer und -medikation präoperativ, HbA1c präoperativ, Operationsverfahren und Versagen des Gewichtsverlusts (Nicht-Erreichen eines EBWL von 0,23 durch Sleeve, 0,26 durch Bypass oder 0,09 durch Band).

Ergebnisse: 17/83 diabetischen Patienten konnten als „Diabetes-Non-responder“ identifiziert werden. Dabei zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen "metabolischem Nicht-Ansprechen" und präoperativer Diabetesdauer, HbA1c und Ausmass der antidiabetischen Therapie präoperativ. Zwischen "metabolischem Versagen" und Alter, BMI, Gewichtsversagen oder Operationsverfahren konnte kein Zusammenhang eruiert werden.

Schlussfolgerung: Eine lange präoperative Diabetesdauer, hohe präoperative HbA1c-Werte und eine komplexe antidiabetische Therapie präoperativ scheinen für ein Versagen der metabolischen Chirurgie in Bezug auf die Remission des DmII im frühpostoperativen Verlauf zu prädisponieren. Ob dieses Kollektiv auch im Langzeit-Verlauf „versagt“, sollte Gegenstand weiterer Studien sein.