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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Fibrinvliesgeklebte Dünndarmanastomosen im Kleintiermodell

Meeting Abstract

  • Martin Chmelnik - Universitätsklinikum Heidelberg, Sektion Kinderchirurgie, Heidelberg, Deutschland
  • Lidia Lasch - Universitätsklinikum Heidelberg, Sektion Kinderchirurgie, Heidelberg, Deutschland
  • Sandra Weih - Universitätsklinikum Heidelberg, Sektion Kinderchirurgie, Heidelberg, Deutschland
  • Elvira Wink - Universitätsklinikum Mannheim, Deutschland
  • Stefan Holland-Cunz - Universitätsklinikum Heidelberg, Kinderchirurgie, Heidelberg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch412

DOI: 10.3205/10dgch412, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch4124

Veröffentlicht: 17. Mai 2010

© 2010 Chmelnik et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Tachosil® wird in der Viszeralchirurgie zur supplementierenden Fibrinvliesklebung (sF) von genähten Risikodarmanastomosen eingesetzt, die Anwendungssicherheit wurde im Großtiermodell am Colon bestätigt. Eigene klinische Erfahrungen ließen Zweifel aufkommen, ob die sF auf die Verhältnisse in der neonatalen Darmchirurgie übertragbar ist. Die vorliegende Arbeit untersucht im Kleintiermodell, ob der Heilungsverlauf durch sF beeinträchtigt wird und ob die Zahl der Nähte durch sF reduziert werden kann.

Material und Methoden: Dünndarmanastomosen wurden an 76 SD-Ratten durchgeführt. Als Referenzmethode diente die genähte Anastomose mit 9 Nähten. Die 3 Kontrollgruppen (9, 6, 3 Nähte) wurden supplementierend geklebt. Die Tiere wurden am Tag 0, 2 und 10 sektioniert. Neben der Auswertung von Überlebensrate, Kalibersprung und Berstungsdruck erfolgte die histologische Auswertung von Narbenbreite und Vliesdicke.

Ergebnisse: Ab dem 2. postoperativen Tag kam es bei sF zu Ileusbildern und Insuffizienzen. Die Kaliberdifferenz an der Anastomose war größer als in der Referenzgruppe. Histologisch zeigte sich am 2. Tag bei sF die Fibrinschicht des Vlieses auf Anastomosenhöhe aufgebraucht, die Kollagenschicht war von Entzündungsinfiltrat durchsetzt. Nach 10 Tagen war die Narbenbreite größer als in der Referenzgruppe. Die statistische Auswertung der morphometrischen Ergebnisse wird präsentiert.

Schlussfolgerung: Eine sF ist im Kleintiermodell mit einer hohen Komplikationsrate behaftet. Auf Grundlage der histologischen Auswertung kommen hierfür in Frage:

  • Behinderung der Peristaltik durch die relativ zur Darmwand erhebliche Vliesdicke
  • Entzündliche Infiltration der Kollagenschicht
  • Breite Narbenplatte

Die vorgelegten Ergebnisse bieten eine Erklärung für in Einzelfällen dokumentierte schlechte klinische Erfahrungen der sF in der Neonatalchirurgie. Deshalb ist die sF am kleinlumigen Dünndarm kritisch zu bewerten.