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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Müdigkeit nach Bereitschaftsdienst – Subjektive Wahrnehmung oder objektives Faktum?

Meeting Abstract

  • Katja Maschuw - Philipps-Universität Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland
  • Eva Kupietz - Philipps-Universität Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland
  • Peter Weyers - Ludwig-Maximilians-Universität, Institut für Psychologie, Würzburg, Deutschland
  • Annette Wunderlich - Philipps-Universität Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland
  • Elvira Przypadlo - Philipps-Universität Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland
  • Iyad Hassan - Philipps-Universität Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland
  • Detlef Klaus Bartsch - Philipps-Universität Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch354

DOI: 10.3205/10dgch354, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch3549

Veröffentlicht: 17. Mai 2010

© 2010 Maschuw et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Auswirkungen akuten Schlafentzugs auf die kognitive Leistungsfähigkeit, Psychomotorik, biologische und physiologische Funktionen sind kontrovers. Erstmals objektivieren biologische und physiologische Parameter den Effekt akuten Schlafentzugs am Simulationsmodell.

Material und Methoden: 38 Assistenten wurden jeweils 24 Stunden vor und 24 Stunden nach ihrem Bereitschaftsdienst sowie nach einer 24-stündigen Erholungsphase untersucht. Der subjektive Wachheitsgrad wurde durch die Standford-Sleepiness-Skala (SSS) bestimmt. Cortisolkonzentrationen im Speichel und Pupillenaktivität dienten als biologische bzw. physiologische Funktionsparameter. Die Psychomotorik wurde über die Simulationsleistung für chirurgische Basistechniken (Schneiden und Clipapplikation) beurteilt, während die kognitive Leistungsfähigkeit durch die Simulationsleistung bei komplexen laparoskopischen Aufgaben (intracorporale Naht und virtuelle Cholezystektomie) sowie den d 2-Paper-Pencil-Test bestimmt wurde.

Ergebnisse: Schlafzeit (p= 0,001) und subjektiver Wachheitsgrad (p=0,001) sinken nach dem Bereitschaftsdienst signifikant, während die objektiven biologischen und physiologischen Parameter Kortisolkonzentration und

Pupillenaktivität zu jedem Zeitpunkt unverändert bleiben. Auch die Psychomotorik bleibt unbeeinflusst, während sich erstaunlicherweise die kognitive Leistungsfähigkeit (d 2-Paper-Pencil-Test (p=0,027); Simulationsleistung komplexer laparoskopischer Aufgaben: Fehlerindex: p=0,044, Zeit: p=0,0001, Ökonomie der Instrumentenführung: p=0,0001) signifikant verbessert.

Schlussfolgerung: Müdigkeit und sinkender Wachheitsgrad nach dem chirurgischen Bereitschaftsdienst lassen sich nicht objektivieren. Beide scheinen primär ein Phänomen subjektiver Wahrnehmung zu sein, was die Psychomotorik unbeeinflusst lässt und die kognitive Leistungsfähigkeit sogar kurzfristig steigern kann.