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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Chirurgischer Einsatz im Kriegsgebiet – Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo

Meeting Abstract

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  • Swantje Petersen - Ärzte ohne Grenzen e.V., Human Resource, Berlin, Deutschland
  • Sebastian Dietrich - Ärzte ohne Grenzen e.V., Human Resource, Berlin, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch266

DOI: 10.3205/10dgch266, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch2664

Veröffentlicht: 17. Mai 2010

© 2010 Petersen et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Seit vielen Jahren leiden die Menschen unter dem anhaltenden Krieg in der Demokratischen Republik Kongo. Ärzte ohne Grenzen (MsF) arbeitet seit 1992 in der von Kämpfen und Unruhen am meisten betroffenen Region Kivu im Osten des Landes. Vor Ort ist MsF die einzige chirurgisch-tätige humanitäre Organisation. Die erhobenen Daten sollen die Notwendigkeit der Fortsetzung des chirurgischen Projektes überprüfen.

Material und Methoden: Die Daten wurden von MsF-Mitarbeitern im chirurgischen Projekt Rutshuru (Provinz Nord-Kivu) erhoben. Erfaßt wurden die Daten von Januar 2008 bis Juni 2009.

Ergebnisse: In den untersuchten 18 Monaten wurden 6.198 Operationen durchgeführt (Median 329 Operationen im Monat). 63,8% (n=3.957) waren lebensrettende Notfalloperationen, 34,5% (n=2.141) dringliche Operationen in einem Zeitfenster von 48h und 1,6% (n=100) geplante Operationen. Innerhalb dieser Operationen wurden 6419 Eingriffen durchgeführt (Doppeltnennungen). In 36% (n=2239) der Fälle handelte es sich um gynäkologische Notfälle (davon 86% Kaiserschnitte), in 31% (n=1.972) um Minor-Fälle, in 8% (n=508) um orthopädische, in 7% (n=418) um viszeralchirurgische und in 19% (n=1.231) um größere Wundversorgungen. Bei 21% (n= 1.274) der Operation waren gewalt-assozierten Verletzungen Grund für eine Operation. Innerhalb der gewalt-assozierten Verletzungen betrugen die Schussverletzungen 92% (n= 1.173). Im Gesamtpatientenkollektiv waren 93% Zivilisten (n= 5.752).

Schlussfolgerung: Die Analyse der Daten zeigt einen hohen Bedarf an einer chirurgischen Versorgung besonders in der Zivilbevölkerung. Der hohe Anteil an gewalt-assozierten Verletzungen spiegelt die weiter bestehenden Unruhen und Kämpfe in der Region wider. Solange die medizinische Versorgung durch den kongolesischen Staat sowie die Sicherheit der Bevölkerung vor Ort nicht gewährleistet ist, belegen die Daten die Notwendigkeit der Fortfortführung des chirurgischen Projektes.