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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Schützt ein Handgelenksprotektor Snowboarder vor Verletzungen?

Meeting Abstract

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  • corresponding author K. Kleinert - Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsspital Zürich, Zürich, Schweiz
  • H.P. Simmen - Chirurgische Klinik, Spital Oberengadin, Samedan, Schweiz

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch8859

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch662.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Kleinert et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Ärzte, die in einem Krankenhaus einer Tourismus-und Sportregion tätig sind, werden vor allem zu Beginn einer Wintersaison immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob das von jüngeren Sportlern favorisierte Snowboarden unterschätzte Risiken berge und ob allenfalls eine Schutzausrüstung sinnvoll sei. Mehrere Studien kommen zum Schluss, dass die obere Extremität bei Snowboardern deutlich häufiger verletzt wird als bei alpinen Skifahrern. Handgelenk und Unterarm sind dabei am häufigsten betroffen.

Material und Methoden: Unser Krankenhaus liegt in einer bedeutenden Schweizer Tourismusregion. Alle Snowboarder, die mit Verletzungen der oberen Extremität unsere Notfallstation aufsuchten, wurden prospektiv erfasst. 79 Personen (32 weiblich, 47 männlich) wurden registriert. Das Alter (median) betrug 15 Jahre (Bereich:7-38). Ihr Verletzungsmuster wurde abhängig vom “Tragen eines Protektors“ versus „Fahren ohne Protektor“ untersucht. Das Verhältnis betrug 43% zu 57%.

Ergebnisse: Alle Sportler ohne Schoner wiesen eine Fraktur im Handgelenksbereich auf. In der Gruppe, die Protektoren trugen, wurde lediglich bei 64% eine Fraktur diagnostiziert. (Chi-Quadrattest: x2=15.1, df=1, p=0.0). Somit ist die Nullhypothese, dass das Tragen eines Schoners keinen Unterschied hinsichtlich des Verletzungsmusters ausmacht, verworfen. Das „risk estimate“ für Verletzungen beträgt 1.55. Das Risiko ohne Schoner eine Fraktur im Handgelenksbereich zu erleiden ist 1,5 mal grösser (= Number needed to treat). Beim Vergleich der Verletzungsmuster innerhalb beider Gruppen ergibt sich folgendes Bild: In der Gruppe ohne Protektoren finden sich fast ausschliesslich, zu 97%, distale Radiusfrakturen (AO Typ 23). In der Gruppe der Schonerträger werden dagegen in 48% „splint top“ Frakturen von Typ AO 21 und 22 und in 52% distale Radiusfrakturen (AO Typ 23) festgestellt. Die Abbildung 1 [Abb. 1] stellt die verschiedenen Frakturtypen innerhalb beider Gruppen „Fahren mit Protektor“ versus „Fahren ohne Protektor“ dar.Bei den einzelnen Schonertypen zeigt sich folgende Verteilung: 51% tragen den Schoner volar, 11% dorsal, während 38% einen beidseitigen Schutz bevorzugen (p<0,02).

Schlussfolgerung: Wird unsere derzeit einzige Schweizer „Single Center Untersuchung“ mit den grossen Multicenterstudien verglichen, findet sich eine Übereinstimmung, dass Handgelenksschoner beim Snowbaorden nützlich sind. Mit Protektoren fanden sich signifikant vermehrt „Splint top fractures“. Beim Vergleich der verschiedenen Protektortypen zeigt sich lediglich eine Tendenz zu gunsten des volaren Schoners. Wieviele Verletzungen sich schliesslich durch Protektoren verhindern lassen, ist schwierig zu beantworten, weil wir im Krankenhaus nur eine negative Auswahl antreffen.