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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Genomweite Untersuchung identifiziert den hepatischen Cholesterol Transporter ABCG8 als Suszeptibilitäts-Faktor für das humane Gallensteinleiden

Meeting Abstract

  • corresponding author C. Schafmayer - Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • S. Buch - 1. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • JH. Egberts - Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • M. Krawczak - Institut für medizinische Informatik und Statistik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • UR. Fölsch - 1. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • S. Schreiber - Institut für klinische Molekularbiologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • F. Fändrich - Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • J. Hampe - 1. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • J. Tepel - Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch8842

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch309.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Schafmayer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Gallensteine sind ein häufiges und relevantes Gesundheitsproblem in den westlichen Industrieländern. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2005 192.000 Cholezytektomien durchgeführt. Eine genetische Komponente in der Ätiologie der symptomatischen Cholelithiasis zeigte sich bereits in ersten epidemiologischen Untersuchungen im vergangenen Jahrhundert. Im Mausgenom wurden in neueren Studien so genannte Lith Gene identifiziert, welche für die Bildung von Gallensteinen bedeutsam sein könnten. Im Gegensatz dazu ist die Datenlage zur genetischen Veranlagung zum Gallensteinleiden beim Menschen sehr spärlich.

Material und Methoden: Durch enge Kooperation zahlreicher regionaler chirurgischer Versorgungskliniken konnten 2572 Patienten, welche eine Cholezystektomie wegen Cholelithiasis erfahren hatten, aus einem geographisch begrenztem Gebiet im Norden Schleswig-Holsteins und 601 Patienten aus dem Raum Lüneburg für die Studie rekrutiert werden. Über 500000 Single Nucleotid Polymorphism (SNP) wurden mittels eines Affymetrix 500 K chips bei 280 Patienten mit Gallensteinen und 360 Patienten, bei denen sonographisch keine Gallensteine nachgewiesen worden sind, im Fall- Kontroll-Design genotypisiert. Die 238 signifikantesten SNPs wurden dann bei 1100 Patienten mit Gallensteinen und 850 Patienten ohne Gallensteinen überprüft.

Ergebnisse: Dabei fand sich ein SNP der codierenden Variante D19H mit einer Signifikanz von p=4x10-9, welche im Exon 1 des Cholesterol Transportergens ABCG8 lokalisiert ist. Alle anderen überprüften SNPs waren nicht mehr signifikant. Träger der Variante D19H haben ein 2,2 fach erhöhtes Risiko Gallensteine zu entwickeln. Bei Patienten mit spektrometrisch nachgewiesenen Cholesteringallensteinen erhöht sich das relative Risiko auf das 3,3 fache. In einer Regressionanalyse ist die Genvariante D19H ein neuer unabhängiger Risikofaktor zu BMI, Alter, Geschlecht & Diabetes Typ II.

Schlussfolgerung: Durch genomweites Screening wurde zum ersten Mal ein Risikogen zum Gallensteinleiden beschrieben. Träger der Variante D19H haben wahrscheinlich durch übermäßigen Transport von Cholesterin in die Gallenflüssigkeit ein erhöhtes Risiko Gallensteine zu entwickeln. Die neu entdeckte Genvariante eröffnet nun Möglichkeiten, die Ursachen der Gallensteinerkrankung neu zu verstehen und neue Therapiemöglichkeiten zu entwickeln (veröffentlicht in Nature Genetics 2007).