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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Kontinuierliches Echtzeit-Neuromonitoring in der Schilddrüsenchirurgie – Funktionsanalyse und phoniatrische Ergebnisse

Meeting Abstract

  • corresponding author C. Ulmer - Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie, Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart, Deutschland
  • A. Seimer - Abteilung für Phoneatrie und Pädaudiologie, Marienhospital, Stuttgart, Deutschland
  • K.P. Koch - Fraunhofer Institute für Biomedizinische Technik, St. Ingbert, Deutschland
  • U. Meyding-Lamadé - Abteilung für Neurologie, Nord-West Krankenhaus, Frankfurt, Deutschland
  • K.P. Thon - Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie, Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart, Deutschland
  • W. Lamadé - Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie, Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9900

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch261.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Ulmer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die konventionellen, intermittierende Neuromonitoringverfahren haben in der Schilddrüsenchirurgie nicht zu der erwarteten Senkung der Verletzungsrate des N. laryngeus recurrens geführt. Wir stellen die klinischen, elektrophysiologischen und phoniatrischen Ergebnisse zu einem neuen kontinuierlichen Neuromonitoring-Verfahren vor.

Material und Methoden: 30 konsekutive Patienten mit geplanter Schilddrüsenoperation wurden in die Studie eingeschlossen, davon 26 Patienten mit benignen Knotenstrumen, wovon zwei gleichzeitig eine Hashimoto-Thyreoditis aufwiesen. Bei 4 Patienten lag ein papilläres Schilddrüsenkarzinom vor. Bei 16 Patienten erfolgte eine Dunhill-Operation, bei 6 Patienten eine Hemithyreoidektomie, bei 4 Patienten eine subtotale Resektion beidseits und bei vier Patienten eine Thyreoidektomie plus zentraler Neck dissektion. Für die kontinuierliche Stimulation wurde eine neu entwickelte, hybride Cuff-Stimulationselektrode verwendet. Zur Signalableitung wurden Standardelektroden verwendet. Stimulation und Signalableitung erfolgten mittels eines Multikanal-EMG-Gerätes. Zur Signalanalyse wurde eine spezielle Software entwickelt. Eine Analyse der vegetativen Funktionsantwort auf die Dauerstimulation des N. vagus erfolgte bei 13 Patienten. Alle Patienten wurden prä- und postoperativ HNO-ärztlich und phoniatrisch untersucht.

Ergebnisse: Die neue Vagus-Elektrode führte bei allen Patienten zu homogenen und reproduzierbaren Signalen (197µV im Mittel, 45 - 401µV Range). Damit war ein stabiles kontinuierliches Nervenmonitoring möglich. Die akustische Rückkoppelung der Signalveränderungen zeigten in drei Fällen eine kurzfristige Nervenbelastung durch indirekten Zug auf den NLR an. Die sofortige Reaktion des Operateurs führte zur Entlastung und Normalisierung der Signalamplitude. Die eingesetzten Stimulationsströme lagen zwischen 0,5 und 1,5 mA (Mittel 1 mA). Die Implantation der „Cuff-Elektrode“ dauerte im Mittel 3,5 min, die gesamte Vagus-Stimulationszeit betrug im Mittel 65 min. Durch die kontinuierliche Stimulation des N. vagus kam es intraoperativ zu keiner Herzrhythmusstörung, keiner Herzfrequenzänderung, und zu keiner Blutdruckänderung. Postoperativ traten keine Darmmotilitätsstörung und keine Hypersalivation auf. Eine permanente Recurrensparese trat nicht auf. Zwei Patienten erlitten einen passageren Verlust der hohen Singstimme. Ein Patient wurde wegen einer Nachblutung aus der geraden Halsmuskulatur ohne Neuromonitoring reoperiert. Dieser Patient erlitt eine temporäre Recurrensschwäche. Eine schwere Hypokalzämie trat nicht auf.

Schlussfolgerung: Das kontinuierliche Echtzeit-Neuromonitoring mittels der neuen hybriden Vagus-Elektrode ermöglicht im Gegensatz zu den konventionellen Verfahren eine stabile und verlässliche Dauerüberwachung des N. laryngeus recurrens bei Schilddrüsenoperationen. Vegetative Funktionsstörung ließen sich nicht nachweisen. Die phoniatrischen Stimmanalysen haben keine permanenten Stimmveränderungen gefunden.