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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Erniedrigte Insulin-Biogenese in Langerhans-Inseln aus Pankreasteilresektaten von Typ 2-Diabetikern

Meeting Abstract

  • corresponding author F. Ehehalt - Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Technische Universität Dresden
  • K.P. Knoch - Experimentelle Diabetologie, Technische Universität Dresden
  • R. Meisterfeld - Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Technische Universität Dresden
  • K. Erdmann - Experimentelle Diabetologie, Technische Universität Dresden
  • S. Kersting - Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Technische Universität Dresden
  • H. Bergert - Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Technische Universität Dresden
  • D.D. Dittert - Institut für Pathologie, Technische Universität Dresden
  • H.D. Saeger - Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Technische Universität Dresden
  • M. Solimena - Experimentelle Diabetologie, Technische Universität Dresden

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch8920

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch119.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Ehehalt et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Der Typ 2-Diabetes beruht auf einer komplexen Dysregulation der Blutglukose-Homöostase, die neben der Insulinresistenz peripherer Gewebe durch das allmähliche Versagen der Insulinsekretion aus den B-Zellen der Langerhans-Inseln, sowie vermehrter Apoptose der B-Zellen gekennzeichnet ist. Über die molekularen Grundlagen des B-Zellversagens ist wenig bekannt, da die Isolation von Typ 2-diabetischen Inseln bisher nur sehr wenigen Isolationszentren vorbehalten war. Ein tieferes Verständnis der Pathogenese des Typ 2-Diabetes könnte neue therapeutische Prinzipien eröffnen.

Material und Methoden: Die Langerhans-Inseln wurden aus Pankreasgewebe isoliert, das den nicht befallenen Abschnitten von Pankreasresektaten entstammt. Wir konnten komplette Datensätze für 5 Typ 2-Diabetiker und 9 Nicht-Diabetiker erheben, deren pankreatische Grunderkrankungen vergleichbar sind. Wir haben den Insulingehalt und den Insulinsekretions-Index vor und nach zweistündiger Stimulation mit 25 mmol Glukose gemessen und verglichen. Zudem haben wir die subzelluläre Lokalisation des Proteins Polypyrimidine-tract binding protein 1 (PTB1) dargestellt, dessen glukose-induzierte nukleo-zytoplasmatische Translokation für die schnelle posttranskriptionelle Hochregulierung der Insulin-Granula-Synthese gebraucht wird.

Ergebnisse: In dieser Studie haben Typ 2-diabetische Inseln einen nicht signifikant erniedrigten Stimulationsindex im Vergleich zu nicht-diabetischen Inseln. Überraschenderweise konnten wir feststellen, dass die Menge an Gesamtinsulin in nicht-diabetischen Inseln nach Glukose-Stimulation ansteigt, während der Gesamt-Insulin-Gehalt in Typ 2-diabetischen Inselpräparationen gleich bleibt oder sogar rückläufig ist. Weiterhin konnten wir zeigen, dass die nukleären PTB1-Level in nichtdiabetischen Inseln erwartungsgemäß abnehmen, in Typ 2-diabetischen Inseln allerdings auch nach Stimulation hohe nukleäre PTB1-Level bestehen.

Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse legen nahe, dass in Typ 2-diabetischen Inseln die glukose-stimulierte Biogenese von Insulingranula nicht oder nur in sehr beschränktem Maße stattfindet. Die in Typ2-diabetischen Inseln fehlende nukleo-zytoplasmatische Translokation von PTB1 zeigt, gemeinsam mit unseren Vorarbeiten, erstmals einen betroffenen Signaltransduktionsweg auf. Dieser Mechanismus kann zur verschlechterten Insulinsekretion beim Typ 2-Diabetes beitragen und stellt somit ein potenzielles therapeutisches Target dar. Zukünftig soll der Translokationsmechanismus von PTB1 aufgeklärt werden, um zu zeigen, ob es sich hierbei um einen primären Defekt handelt oder ob er sekundär auf eine verminderte Glukosesensitivität der B-Zellen zurück zu führen ist.