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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Ersatz des perioperativen Blutverlustes bei Karzinompatienten: Ergebnisse einer Umfrage in chirurgischen Kliniken in Deutschland

Meeting Abstract

  • corresponding author P. Oetting - Klinik für Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Lehrstuhl Chirurgie I der Universität Witten/Herdecke, Klinikum Köln-Merheim, Köln, Germany
  • M.A. Ströhlein - Klinik für Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Lehrstuhl Chirurgie I der Universität Witten/Herdecke, Klinikum Köln-Merheim, Köln, Germany
  • C. Rudroff - Klinik für Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Lehrstuhl Chirurgie I der Universität Witten/Herdecke, Klinikum Köln-Merheim, Köln, Germany
  • U. Grützner - Klinik für Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Lehrstuhl Chirurgie I der Universität Witten/Herdecke, Klinikum Köln-Merheim, Köln, Germany
  • M.M. Heiss - Klinik für Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Lehrstuhl Chirurgie I der Universität Witten/Herdecke, Klinikum Köln-Merheim, Köln, Germany

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9363

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch082.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Oetting et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die meisten Bluttransfusionen finden im Rahmen von Tumoroperationen statt. Trotz der Möglichkeit der immunologisch unbedenklichen Autotransfusion erfolgt der Blutersatz meist über Fremdbluttransfusionen. Daneben besteht die Möglichkeit den perioperative Blutverlust, durch die Transfusion von Eigenblut oder durch den Einsatz maschineller Autotransfusionsgeräte (MAT) zu ersetzen. Trotz dem Vorhandensein dieser Alternativen werden diese nur selten eingesetzt. Ziel der Umfrage war es einen Überblick über das Transfusionsverhalten im Rahmen von Tumoroperationen zu erhalten.

Material und Methoden: Die Umfrage erfolgte über die Versendung eines Fragebogens an die Leiter der chirurgischen Kliniken. Die Fragen bezogen sich sowohl auf die Klinik und das Operationsaufkommen, wie auf die Transfusionsgewohnheiten. Im Speziellen wurde auf die Transfusionstriggern, dem Einsatz der Eigenblutspende, der Gabe von Fremdblut und dem Einsatz der MAT, sowie der Bestrahlung so gewonnener Erythrozytenkonzentrate eingegangen.

Ergebnisse: Die 58 ausgewerteten Fragebögen wurden von 5 Universitätskliniken, 29 Krankenhäuser der Maximalversorgung, 21 Krankenhäuser der Regelversorgung, sowie 3 Lungenfachkliniken beantwortet. Bezüglich des Transfusionstriggers, geben 5% der Kliniken an, als einziges Kriterium einen Hb-Wert festgelegt zu haben (Medianer Hb-Wert: 7). Alle anderen Kliniken geben Kombinationen von einzelnen Faktoren als Entscheidungsgrundlage an. Hierbei spielt sowohl ein Grenz-Hb-Wert (55%), der Blutverlust (28%) und die Vorerkrankungen (88%) eine Rolle. Der am häufigsten durchgeführte Ersatz des perioperativen Blutverlustes bei Karzinompatienten erfolgt durch die Gabe von Fremdblut. So erfolgt in allen Kliniken vor einer Operation das Bereitstellen von Blutkonserven. Eine Korrelation zwischen Häufigkeit der durchgeführten Operation und Menge an bereitgestellten Blutkonserven besteht nicht. In 81% der Kliniken besteht generell die Möglichkeit einer präoperativen Eigenblutspende. Für Karzinompatienten existiert diese Option in 3% der Kliniken. Die MAT können 90% der Kliniken einsetzen. Bei Karzinomoperationen lehnen 67% dieser Kliniken die Verwendung der MAT auf Grund der Befürchtung einer autologen Tumorzelltransfusion ab, und 22% auf Grund der hohen Kosten. 10% der Kliniken verwenden die MAT auch im Rahmen von Karzinomoperationen. 31% der Kliniken geben an, dass bei ihnen die Möglichkeit der Bestrahlung von intraoperativ gewonnenem Wundblut vor autologer Retransfusion besteht. Während die Hälfte diese auch verwendet, lehnen die anderen Kliniken dies auf Grund des hohen Aufwandes ab. Von den Kliniken (10%), welche die MAT auch im Rahmen von Karzinomoperationen einsetzen, besteht bei 2/3 (7%) die Möglichkeit einer Bestrahlung der so gewonnenen Blutkonserven. Insgesamt führen 5% der Kliniken eine Bestrahlung der intraoperativ gewonnenen autologen Konserven öfter als 15/Jahr durch.

Schlussfolgerung: Der Ersatz des perioperativen Blutverlustes bei Karzinomoperationen wird in Deutschland weitestgehend über Fremdbluttransfusionen durchgeführt. Die immunologisch weniger belastenden Optionen, wie die Eigenblutspende oder die Verwendung der MAT wird kaum verwendet. Hauptgrund hierfür ist der hohe organisatorische Aufwand, sowie die onkologisch bedenkliche Retransfusion von autologen Tumorzellen.