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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Inzidenz, Lokalisation und Charakteristika kolorektaler Polypen bei HNPCC (Hereditäres, nicht-polypöses kolorektales Karzinom)

Meeting Abstract

  • corresponding author A. Gorgon - Institut für Humangenetik, Düsseldorf, Deutschland
  • T. Goecke - Institut für Humangenetik, Düsseldorf, Deutschland
  • S. Werner - Institut für Humangenetik, Düsseldorf, Deutschland
  • B. Royer-Pokora - Institut für Humangenetik, Düsseldorf, Deutschland
  • G. Möslein - St. Josefs-Hospital Bochum-Linden, Bochum

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9624

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch071.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Gorgon et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Das hereditäre kolorektale Karzinom ohne Polyposis (HNPCC oder Lynch-Syndrom) ist eine autosomal-dominant vererbte Tumordispositionserkrankung, die durch das frühzeitige Auftreten von kolorektalen Karzinomen (KRK)und einer erhöhten Inzidenz für assoziierte Tumore in anderen Organen charakterisiert ist. HNPCC wird durch eine Keimbahn-Mutation in einem von mindestens sechs bislang bekannten DNA-Mismatch-Reparatur-Genen verursacht. Adenome (A) als Precursor-Läsion bei HNPCC-Betroffenen sind aggressiver und größer, treten in jüngerem Alter auf, weisen einen höheren Dysplasiegrad und eine höhere Entartungstendenz auf als sporadische Adenome. Der klinische Stellenwert häufig beobachteter hyperplastischer Polypen (HP)ist nicht geklärt. Ziel dieser Arbeit war die Charakterisierung (Häufigkeit, Lokalisation, Art) der kolorektalen Polypen und Adenome bei HNPCC-Patienten und Risikopersonen.

Material und Methoden: Die meisten Patienten (n = 292) gehörten 115 Amsterdam-I- und Amsterdam-II-Familien an, 4 Bethesda-kriterien und 7 Patienten waren Mitglieder der 4 Familien, die weder Amsterdam-I- noch –II-Kriterien erfüllten aber eine Mismatch-Reparatur Mutation besaßen. Nachgewiesen wurden MSH2-Mutationen (n=43), MLH1- (n=31) oder MSH6-Mutation (n=11). Aus den 123 HNPCC-Familien waren 129 Risikopersonen zu identifizieren(79 weiblich und 50 männlich). Nachgewiesen wurden MSH2-Mutationen (n=43), MLH1- (n=31) oder MSH6-Mutation (n=11). Grundlage der Untersuchung ist die retrospektive Auswertung der Daten, die von 1998 bis 2004 im Düsseldorfer Zentrum des Verbundprojektes „Familiärer Darmkrebs“ der Deutschen Krebshilfe betreut wurden.

Ergebnisse: 145 HNPCC-Patienten, 75 weiblich (51,7%) und 70 männlich (48,3%) erlitten 208 kolorektale Karzinome (1,4 Karzinome/Person). Das Durchschnittsalter bei Erstdiagnose eines kolorektalen Karzinoms lag bei 46,4 Jahren (SD: 11,0). Sigma und Rektum waren die häufigste Lokalisation (p=0,363). Patienten mit Mutationsnachweis wiesen häufiger rechtseitige Kolonkarzinome (n=33) als linksseitige (n=24) auf (p=0,638). Daten zu 213 hyperplastischen Polypen (HP) (n=61) und Adenomen (A) (n=152) wurden analysiert. Die Inzidenz für einen HP oder A lag bei 25,6% (n=75 von gesamt 293). Nach einem KRK lag die Inzidenz bei 19,1%. Im Gesamtkollektiv wurden die HP (28,6%) und A (71,4%) bevorzugt im distalen Kolon (55,9%) festgestellt. Die meisten A zeigten waren tubulär (45,5%) mit low-grade Dysplasien (48,7%).

Schlussfolgerung: Das Risiko (Inzidenz) für HNPCC-Patienten nach einem KRK einen HP oder A zu entwickeln, war mit 19,1% sehr hoch. Hyperplastische Polypen und kolorektale Adenome wiesen weder eine Prädisposition zum proximalen Kolon auf noch waren Polypen mit high-grade Dysplasien häufiger villös. Alle Polypen, auch die hyperplastischen müssen als Indikator für das neoplastische Potential des Kolorektums angesehen werden. Die Empfehlung zu einer jährlichen Vorsorgekoloskopie mit konsequenter Polypabtragung bei HNPCC-Betroffenen muss weiterhin konsequent empfohlen werden.