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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Die konservative Trichterbrustkorrektur mit der Saugglocke bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Meeting Abstract

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  • corresponding author M. Bahr - Kinderchirurgische Universitätsklinik der Friedrich Schiller Universität Jena
  • C. H. Baier - Kinderchirurgische Universitätsklinik der Friedrich Schiller Universität Jena
  • S. Rahn - Kinderchirurgische Universitätsklinik der Friedrich Schiller Universität Jena

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch6671

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch473.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Bahr et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Trichterbrustdeformität ist ein häufig vorkommendes Krankheitsbild, welches für die Patienten ein großes kosmetisches Problem darstellt und meistens keine cardiopulmonalen Begleiterscheinungen aufweist. Die bisher gängigen Korrekturverfahren haben alle einen operativen Ansatz, die minimalinvasive Technik von Prof. Nuss gilt heute als Standardtechnik. Seit 2002 erprobt die Kinderchirurgie in Jena eine Saugglocke zur Therapie der Trichterbrust. Viele Patienten mit Trichterbrustdeformitäten wünschen eine Korrektur, fürchten jedoch die Operation, weil diese mit der Implantation von Fremdmaterial und Schmerzen einhergeht

Material und Methoden: Seit 2002 wurden in der Kinderchirurgie in Jena 139 (135 männlich, 4 weiblich) Trichterbrustpatienten im Alter zwischen 5,4 und 34,9 Jahren(Median 14,8 Jahre)mit der Saugglocke ausgestattet, nachdem sie ausdrücklich über die alternativen Techniken aufgeklärt und informiert wurden. Die Patienten wenden alle die Saugglocke zu Hause an, und werden regelmäßig nach einem vorgegebenen Schema nachuntersucht. Die Patienten sollen die Saugglocke zweimal täglich über mindestens eine halbe Stunde tragen und diese mittels einer einfachen Handpumpe auf 15% unter dem normalen atmosphärischen Druck evakuieren. Die Fortschritte der Therapie werden mittels digitalen Bildern dokumentiert.

Ergebnisse: Die Followupzeit der Patienten beträgt 1 bis 36 Monate (Median 20 Monate). CT-Untersuchungen zeigten, dass die Saugglocke in der Lage ist, das Sternum innerhalb von zwei Minuten anzuheben. Dies wurde bei der intraoperativen Anwendung während der Nuss OP thorakoskopisch bestätigt. Anfänglich sinkt das Brustbein innerhalb weniger Minuten in seine Ausgangsposition zurück, wenn die Saugglocke abgesetzt wird. Bereits nach einem Monat gelingt es 80% der Patienten das Sternum während der Anwendung bis zum normalen Niveau anzuheben. Dauerhaft sahen wir nach einem Monat eine Anhebung des Sternums von 1 cm sowie eine deutlich bessere Körperhaltung. Nach 5 Monaten sahen wir einen Ausgleich der Trichterbrust für einen längeren Zeitraum direkt nach der Anwendung in 30% der Patienten. 1 Patient konnte mit einem zufrieden stellenden Ergebnis die Anwendung nach 13 Monaten beenden. Bei 40 Patienten konnte der Trichter nach 12-15 Monaten so angehoben werden, dass eigentlich keine Therapie mehr nötig ist, die Patienten entschieden sich jedoch die Therapie fortzuführen um ein maximal gutes Ergebnis zu erreichen. An Komplikationen sahen wir bei allen Patienten ein deutliches Hauthämatom, welches sich im Verlauf der Therapie jedoch besserte. Die Haut blieb jedoch unverletzt. In drei Patienten sahen wir bei der erstmaligen Anwendung orthostatische Probleme, die später nicht wieder auftraten, ein Patient klagte über Parästhesien, während er die Saugglocke anwendete, die im Verlauf der Behandlung jedoch besser wurden. Insgesamt waren die Patienten sehr zufrieden und arbeiteten sehr zuverlässig mit.

Schlussfolgerung: Die Saugglockentherapie bei Trichterbrustpatienten zeigt, dass es möglich ist, den Trichter durch Sog von außen anzuheben und auszugleichen. Die bislang erreichten Ergebnisse sind viel versprechend, jedoch muss abgewartet werden, ob im weiteren Verlauf das Sternum auf dem erreichten Niveau konsolidiert bleibt oder wieder einsinkt. Bis zum vorliegen von Langzeitergebnissen bleibt aus diesem Grund die minimalinvasive operative Technik der Goldstandard.