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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Oesophago-Tracheale Fistel nach Fremdkörperingestion im Säuglingsalter – Eine seltene schwere Komplikation der Fremdkörperingestion

Meeting Abstract

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  • corresponding author U. Waldschmidt - Chirurgische Universitätskinderklinik, Inselspital Bern, Bern, Schweiz
  • Z. Zachariou - Chirurgische Universitätskinderklinik, Inselspital Bern, Bern, Schweiz

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7626

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch343.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Waldschmidt et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Fremdkörper-Ingestion beim Säugling und Kleinkind ist häufig. Der Verlauf ist meist unkompliziert, der Fremdkörper passiert den GI-Trakt ohne Beeinträchtigung und wird ausgeschieden.Bei Retention im Bereich des Oesophagus können verschiedene Probleme, gelegentlich auch schwere Komplikationen auftreten. Häufiger sind Ulzerationen und die Inflammation der Oesophagusschleimhaut. Seltener, aber auch schwerwiegender sind entzündliche Veränderungen des Mediastinums, retropharyngeale Abszesse oder Pleuraempyeme. Die Perforation des Oesophagus gilt als sehr seltene aber gefürchtete Komplikation, vor allem bei Fistelung in die benachbarten Strukturen wie das Tracheobronchialsystem oder die Aorta.

Material und Methoden: Ein 9 Monate alter Knabe wurde in unserer Klinik bei Verdacht auf Fremdkörperaspiration vorgestellt. Nach Ausscheiden eines Plastikteilchens und radiologisch unauffälligem pulmonalen Befundes wurde zunächst von einer komplikationslosen Fremdkörperingestion ausgegangen. Jedoch traten bereits 2 Tage nach dem Erstereignis Fieber und Zeichen eines pulmonalen Infektes auf, radiologisch konnten multifokale Infiltrate nachgewiesen werden. Aufgrund der klinischen, laborchemischen und radiologischen Befunde wurde die Diagnose einer multifokalen Pneumonie gestellt, welche resistenzgerecht behandelt wurde. Unter der antibiotischen Behandlung deutliche Besserung der Klinik, daher Ausbehandlung. Im Verlauf traten rezidivierend pulmonale Infekte mit zunehmender obstruktiver Komponente sowie eine zunehmende Heiserkeit auf. Bei Verdacht auf tracheale Affektion oder Fremdkörper zunächst Tracheoskopie, in der Folge bei Nachweis einer Schleimhautveränderung im linken Hauptbronchus Tracheoskopie und Oesophagoskopie. Dabei Darstellung eines verbleibenden Restes des Plastikteilchens (Fingerhut) im Oesophagus mit Fistelung in den linken Hauptbronchus und dadurch chronisch entzündliche Veränderung. Nach Entfernung des Fremdkörpers Therapieversuch mit peroraler Nahrungskarenz und antibiotischer Therapie. Darunter keine Besserung, daher Indikationsstellung einer operativen Therapie mit zunächst diagnostischer Thorakoskopie und anschliessender offener Exzision des inflammatorisch veränderten Gewebes und Rekonstruktion von Oesophagus und linken Hauptbronchus.

Ergebnisse: Postoperative weitere Komplikationen durch Pneumothorax und Persistenz der Heiserkeit mit nur zögerlicher Besserung. Aktuell gutes Befinden mit problemloser peroraler Nahrungsaufnahme und weiterem Rückgang der N. laryngeus recurrens - Affektion.

Schlussfolgerung: Der dargestellte Fall einer sehr seltenen Komplikation zeigt, dass trotz Ausscheidens bei einer Fremdkörperingestion mit nachfolgenden pulmonalen oder gastrointestinalen Symptomen immer mit einer Retention eines Fremdkörperrestes gerechnet werden muss. Bei unserem Knaben traten gastrointestinale Symptome erst unmittelbar vor der bereits geplanten Ausdehnung der Diagnostik auf. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Pädiater und Chirurgen sowie eine möglichst frühzeitige erweiterte Diagnostik ist dabei unumgänglich.