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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Ein notwendiger Shunt-Einsatz bei der Carotisdesobliteration ist nicht vorhersehbar

Meeting Abstract

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  • corresponding author M. Aleksic - Schwerpunkt Gefäßchirurgie, Klinik und Poliklinik für Visceral- und Gefäßchirurgie, Klinikum der Universität zu Köln
  • Th. Lübke - Schwerpunkt Gefäßchirurgie, Klinik und Poliklinik für Visceral- und Gefäßchirurgie, Klinikum der Universität zu Köln
  • J. Brunkwall - Schwerpunkt Gefäßchirurgie, Klinik und Poliklinik für Visceral- und Gefäßchirurgie, Klinikum der Universität zu Köln

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7418

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch290.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Aleksic et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Um das perioperative Schlaganfallsrisiko bei der Carotisdesobliteration (CEA) zu minimieren, wäre es hilfreich zu wissen, welche Patienten die Carotisabklemmung nicht tolerieren werden. Mit Hilfe eines selbst-lernenden artifiziellen Neuronalen Netzwerken (ANN) soll versucht werden, Faktoren mit einem hohen prädiktiven Wert für einen möglichen Shunteinsatz zu identifizieren.

Material und Methoden: Es wurden prä-und intraoperative Daten von 850 Patienten ausgewertet, bei denen eine CEA in Lokalanästhesie durchgeführt worden war. Durch die ausschließliche klinische Kontrolle der cerebralen Ischämietoleranz während der Carotisabklemmung ist der Shunteinsatz unabhängig von einem apparativen Neuromonitoring erfolgt. Es handelte sich um ein Feed-forward ANN mit Back-propagation und 4 Ebenen (Input layer, 2 Hidden layers, Output layer).Als Input Variablen wurden präoperative Faktoren (Alter, Geschlecht, ASA-Klassifikation, ipsi-, kontralateraler ACI-Stenosegrad, Rezidivstenose, klinisches Stadium, Ausmaß des neurologischen Defizit, Dringlichkeit der Operationsindikation, Lokalisation und Ausmaß einer cerebralen Ischämie, angiographischer Nachweis von transhemispherischem Cross-flow und Vertebralarterienperfusion) und intraoperative Faktoren (systemischer Ausgangsblutdruck, intraoperative Fluktuationen des Blutdrucks, Fluss- Druckmessung im Bereich der A. carotis, externa und interna) implementiert. Die Datensätze wurden randomisiert und in Training-, Cross-validation- und Testdatensätze im Verhältnis 300 : 300 : 250 aufgeteilt. Es wurden dann 2 ANN für jeweils die prä- und intraoperative Einschlussfaktoren konstruiert und deren prädiktiver Wert für die Shuntanlage miteinander verglichen.

Ergebnisse: Insgesamt wurde eine Shuntanlage bei 173 Patienten (20%) erforderlich. Bei Patienten, die keiner Shuntanlage bedurften, konnte diese Toleranz auf die Carotisabklemmung sowohl durch die prä- als auch intraoperative Faktoren mit einer Genauigkeit von 98 % bzw. 95% vorhergesagt werden. Eine notwendige Shuntanlage wurde durch die präoperativen Faktoren hingegen nur in 2% und durch die intraoperativen Faktoren in 37% vorhergesagt werden. Ein erheblicher Anteil von Patienten wäre somit einer cerebralen Ischämie ausgesetzt worden, wenn diese Faktoren für die Entscheidung zu einer Shuntanlage herangezogen worden wären.

Schlussfolgerung: Weder prä- noch intraopertive Parameter können einen notwendigen Shunteinsatz bei der CEA verlässlich vorhersagen. Damit ist auch weiterhin ein effektives Neuromonitoring obligatorisch.