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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Die Expression von motilitätshemmenden Neuropeptiden im menschlichen Dünndarm ist während einer Peritonitis signifikant erhöht

Meeting Abstract

  • corresponding author P. Jacob - Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland
  • M. Mueller - Allgemeinchirurgie der LMU München, München, Deutschland
  • I. Wolk - Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland
  • U. Nagele - Urologische Klinik der Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland
  • J. Hennenlotter - Urologische Klinik der Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland
  • A. Königsrainer - Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland
  • J. Glatzle - Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7107

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch281.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Jacob et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die gastrointestinale Motilität ist während einer Peritonitis stark reduziert, wobei der zugrundeliegende Pathomechanismus bisher weitgehend unklar ist. Wir untersuchten deshalb die Expression von pro- und antikinetischen Neuropeptiden in Neuronen des Plexus myentericus des menschlichen Ileums. Ziel war es, Unterschiede in der Expression von prokinetischen Neuropeptiden wie Substance P und antikinetischen Neuropeptiden wie VIP (vasoaktives intestinales Polypeptid) im Plexus myentericus des menschlichen Ileums bei Gesunden und Peritonitis-Patienten zu identifizieren.

Material und Methoden: Die Untersuchungen wurden an Präparaten von menschlichem Ileum durchgeführt. Es wurde Ileum von Gesunden, die im Rahmen einer urologischen Operation ein Ileumconduit erhielten oder von Patienten mit einer schweren Peritonitis im septischen Krankheitsbild verwendet. An fixierten Häutchenpräparaten wurde die Myeloperoxidase (MPO), Substance P und VIP immunhistochemisch mit Hilfe kommerzieller Antikörper bestimmt (Dianova, Biotrend und Fitzgerald). Zur Abschätzung des Entzündungsgrades erfolgte die Auszählung der Myeloperoxidase-positiven Zellen in der zirkulären Muskelschicht des Darmes. Um die Expression von Substance P und VIP zu quantifizieren, wurde die Immunoreaktivität mithilfe des Leica Quantimet Systems ausgewertet. Dazu wurde zunächst die Fläche des Plexus myentericus vermessen. Anschliessend wurde die Fläche der jeweils gefärbten Neurone und Fasern innerhalb des Plexus in Relation zur Gesamtfläche des Plexus gesetzt. Die Immunoreaktivität wird daher als Prozentsatz angegeben, der unabhängig von Form und Größe des jeweilig untersuchten Plexus ist.

Ergebnisse: Im Dünndarm der Peritonitis-Patienten war die Anzahl der MPO-positiven Zellen im Vergleich zu den Proben aus dem gesunden Darm auf über das 4-fache erhöht (MPO positive Zellen pro Gesichtsfeld, Kontrolle 18 ± 6,5 (n=10) versus Peritonitis 84 ± 22 (n=3); p<0,01).Die Immunoreaktivität für Substance P im Plexus myentericus lag bei Gesunden bei ca. 30%, bei Patienten mit Sepsis hingegen bei ca. 6% und war somit auf ein Fünftel reduziert. (Kontrolle 32,3 ± 5,8 % (n=10) versus Peritonitis 6,3 ± 0,89 % (n=3); p<0,05).Im Gegensatz dazu war die Immunoreaktivität für VIP während der Peritonitis signifikant auf ca. das Doppelte erhöht (Kontrolle 5,1 ± 1% (n=10) versus Peritonitis 10,2 ± 1% (n=3); p<0,05).

Schlussfolgerung: Während einer Peritonitis war die inflammatorische Reaktion in der Darmwand deutlich erhöht. Die Expression des prokinetischen Neuropeptids Substance P war während der Peritonitis signifikant um ca. 80% gegenüber Gesunden reduziert, wohingegen die Expression von VIP, das bekanntermaßen die Motilität hemmt, auf über das Doppelte erhöht war. Dieser neu identifizierte Pathomechanismus könnte zur Hypomotilität während der Peritonitis beitragen. Unterstützt durch die DFG GL 311/3-1