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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Mikrobiologische Risikofaktoren für die MRSA Häufigkeit auf einer Chirurgischen Intensivstation: die Bedeutung von multiresistenten Pseudomonas aeruginosa

Meeting Abstract

  • corresponding author M. Joka - Chirurgische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • B. Arnstadt - Chirurgische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • B. Grabein - Max von Pettenkofer-Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, Campus Grosshadern, LMU München
  • P. Pfaller - Max von Pettenkofer-Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, Campus Grosshadern, LMU München
  • K.W. Jauch - Chirurgische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • W.H. Hartl - Chirurgische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7638

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch051.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Joka et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: In den letzten Jahren ist weltweit eine signifikante Zunahme in der Häufigkeit von MRSA (methicillinresistenter Staphylococcus aureus) zu beobachten. Neben Krankheitsschweregrad und hygienischen Variablen wird vor allem der steigende Einsatz von Quinolonen mit der zunehmenden MRSA Inzidenz in Verbindung gebracht. Ob diese für die allgemeine Krankenhauspopulation erhobenen Zusammenhänge auch für Intensivpatienten gelten, ist nicht bekannt. Ziel der vorliegenden Analyse war es, auf einer chirurgischen Intensivstation Faktoren zu identifizieren, die für die Häufigkeit von MRSA relevant sind.

Material und Methoden: Wir führten eine retrospektive Kohortenanalyse an 2556 chirurgischen Fällen durch, die von 2001 bis 2005 intensivmedizinisch behandelt wurden. Ausgewertet wurde die Häufigkeit aller gram-positiver und gram-negativer Keime in Abstrichen pro Patient und Jahr, ferner der durchschnittliche Antibiotikaverbrauch pro Jahr (definiert als daily defined dosage (DDD = Gesamtverbrauch (g) pro Jahr/ Tagesdosis) bezogen auf 100 Patiententage (=100/durchschnittliche Patientenverweildauer pro Jahr), und der jährliche Case/Mix Index. Hygienische Standards blieben im Untersuchungszeitraum konstant. Die statistische Auswertung erfolgte mittels logistischer und linearer Regressionsanalysen.

Ergebnisse: Die MRSA Häufigkeit (% von Staph. aureus) blieb im Beobachtungszeitraum konstant und variierte zwischen 7.8 und 15.4 %. Ebenfalls ohne signifikanten Trend war der Einsatz von Quinolonen (schwankend zwischen 19.3 und 43.4 DDD/100 Patiententage). Eine signifikante Korrelation zwischen Quinolonverbrauch und MRSA Häufigkeit konnte nicht festgestellt werden (p = 0.774). Dies galt auch für alle anderen Antibiotikaklassen sowie den Case/Mix Index. Es fand sich jedoch eine signifikante Korrelation zwischen der Häufigkeit von multiresistentem Pseudomonas aeruginosa und von MRSA. Dies war der Fall, wenn sowohl die absolute Häufigkeit von Pseudomonas aeruginosa (p < 0.05) wie auch die Häufigkeit pro 100 Patiententage (p < 0.05) betrachtet wurden.

Schlussfolgerung: Der für Allgemeinpatienten beschriebene Zusammenhang zwischen Quinolon-Verbrauch und MRSA Häufigkeit kann für chirurgische Intensivpatienten nicht nachvollzogen werden. Ursache dafür könnten Interferenzen mit anderen Keimen (multiresistente Pseudomonaden) sein, die für das intensivmedizinische Umfeld spezifisch sind und die Bakteriocine bilden können, die für bestimmte Staphylokokken toxisch sind.