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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Der Emergency-Room Transfusion Score (ETS) – eine prospektive Validierung an 481 Schockraumpatienten

Meeting Abstract

  • corresponding author S. Ruchholtz - Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • C. Kühne - Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • I. Osarek - Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • C. Buschmann - Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • G. Taeger - Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5481

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch548.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Ruchholtz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Ein wesentlicher therapeutischer Aspekt der frühen klinischen Polytraumaversorgung ist die schnelle Transfusion von Blut und Gerinnungsfaktoren bei relevantem Blutverlust. Für die frühe Transfusion ist eine möglichst schnelle Anforderung von Blutprodukten entscheidend. Um innerhalb der ersten 5 Minuten die Notwendigkeit einer Bluttransfusion abschätzen zu können und um nicht bei jedem Patienten unnötig Blut zu bestellen wurde der Emergency-Room Tranfusion Score (ETS) auf Basis einer multivarianten Regressionsanalyse der Daten von 1103 Schockraumpatienten entwickelt. In der vorliegenden Arbeit wurde dieser Score prospektiv an einem gesonderten Patientengut validiert.

Material und Methoden: Der ETS (max. 9,5 Punkte (P.)) berücksichtigt Blutdruck (max. 2.5 P. bei syst. RR< 90mmHg), freie Flüssigkeit im Ultraschall (2 P.), klinische Instabilität des Beckens (1.5 P.), Alter über 60 Jhr. (1.5 P.), Verlegung direkt vom Unfallort (1 P.) und bestimmte Unfallmechanismen (1 P.). Um im Bedarfsfall Blut und Gerinnungsfaktoren möglichst schnell zu transfundieren erfolgte die Anforderung (10 EK / 10 FFP) ab einer Summe von 3 Punkten (berechnete Transfusionswahrscheinlichkeit über 5%). Um unnötige Bluttransporte und Verlust von Konserven zu vermeiden erfolgte die Bestellung bei <3 Punkten nur auf Wunsch des verantwortlichen Arztes. (Die Studie wurde von der Ethikkommission der Universität genehmigt).

Ergebnisse: Im Zeitraum von 7/03 – 12/04 wurden 481 Schockraumpatienten (ISS 18± 18) prospektiv erfasst. 175 (36%) Patienten hatten einen ETS von >= 3 und 306 (64%) einen Wert von <3. Bei 40 (8,3%) Patienten wurde Blut (MW 8 ±8 EK´s) bereits im Schockraum nach 23 ±9 Min. transfundiert. Von diesen Patienten hatten 39 einen Wert von >= 3 Punkten (MW 5,4 ±1,5). Lediglich 1 Pat. mit isolierter offener Mittelgesichtsfraktur (und OP im Schockraum) wurde trotz einem ETS von 2 transfundiert. Die Sensitivität des ETS betrug damit 97%, die Spezifität 68%. In 78 weiteren Fällen wurde durch die verantwortlichen Ärzte trotz einem ETS von <3 Blut bestellt, aber aufgrund fehlender Notwendigkeit nicht substituiert. Der alleinige initiale Haemoglobin (Hb) Wert erwieß sich nicht als schnellerer und zuverlässigerer Indikator für eine Transfusion. Der erste Hb-Wert wurde nach 13 ±8 Min. übermittelt. Jedoch wiesen 14 der im Schockraum transfundierten Patienten einen Hb-Wert von mehr als 8mg% auf.

Schlussfolgerung: Etwa 8% der Traumapatienten benötigen eine sofortige Blutsubstitution in der Schockraumphase. Auf Basis eines klinischen Scores kann die potentielle Notwendigkeit einer sofortigen Transfusion sicher und sehr früh abgeschätzt werden. Dadurch ist im Bedarfsfall die Substitution bereits nach ca. 23 Min. möglich. Gleichzeitig könnte in vielen Fällen ein unnötiger Transport von Blutkonserven in den Schockraum (mit Gefahr des Verlustes durch unsachgemäßen Gebrauch) vermieden werden. Der ETS stellt deshalb eine wichtige Entscheidungshilfe in der frühen Schockraumphase dar.