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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Morphologie der Entzündungsreaktion in Abhängigkeit von der Filamentstruktur polymerer Netze

Meeting Abstract

  • corresponding author P. Lynen Jansen - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen
  • M. Jansen - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen
  • C. Westphal - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen
  • D. Josten - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen
  • U. Klinge - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5192

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch290.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Lynen Jansen et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Netzimplantate in der Hernienchirurgie provozieren eine chronische Entzündungsreaktion und Fibrose, die für leichtgewichtige und großporige Netze signifikant geringer imponiert. Makrophagen und Fibroblasten steuern diese Fremdkörperreaktion über die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren und Proteasen, die wiederum die Kollagensynthese beeinflussen. Die Folge ist die Ausbildung eines Fremdkörpergranuloms um die Netzfilamente. Der langfristige Einfluß der Filamentstruktur (Mono- versus Multifilament) auf das Zusammenspiel der Zelltypen und ihrer Mediatoren innerhalb des Granuloms wird im vorliegenden Projekt an humanen explantierten Netzen analysiert. Die untersuchten Netzmaterialien waren zwischen 3 und 96 Monaten inkorporiert.

Material und Methoden: Von den 71 Polypropylen-Netzeplantaten (13 Marlex®, 24 Prolene®, 23 Vypro®, 11 Vypro®) waren 40 Netze in der Bauchwand und 31 in der Leiste lokalisiert. Der Anteil männlicher zu weiblichen Patienten betrug 47/24, das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 59,3 Jahren +/- 14,1. An den 37 monofilen und 34 multifilen Netz-Materialien wurde in ummittelbarer Umgebung der Netzfilamente die immunhistochemische Expression von CD68 (Dako. 1:50), TGF ß (Acris, 1:1000), COX2 (DCS, 1:100), MMP-2 (Biomol, 1:1000) und SMA (Sigma, 1:400) untersucht. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer und quantitativer digitaler Bildanalyse (Image Pro Plus, 4.1, Media Cypernetics).

Ergebnisse: Explantationsgründe waren Rezidiv (63/71), Infekt (5/71) und Schmerz (3/71; (2 x Marlex®, 1 x Prolene®); insgesamt klagten 28 Patienten über chronische Schmerzen (21/27 Patienten mit einem monofilen Netz; 7/34 Patienten mit einem multifilen Netz. Morphologisch stellen sich bei den monofilamentären Netzen (Filamentdurchmesser 160 µm) im Granulombereich gegenüber dem angrenzenden Gewebe gesteigerte Expressionen für CD68, SMA, COX2, TGF ß und MMP-2 dar, die sich zonal entlang des Faserverlaufs ausrichten. In der Nachbarschaft multifilamentäre Netze, Filamentdurchmesser 40 µm) zeigen sich vergleichbare Expressionen, die mit deutlich geringerer Cluster-Bildung weitgehend gleichmäßig im gesamten Granulombereich verteilt sind. Trotz dieses qualitativ unterschiedlichen Expressionsmusters ließ sich bei der quantitativen Analyse kein signifikanter Einfluss der Filamentstruktur bzw. der Inkorporationszeit auf die Expression der untersuchten Marker nachweisen.

Schlussfolgerung: Das auch nach im Mittel 2 Jahren nachweisbare Expressionsprofil im Granulom repräsentiert die anhaltende inflammatorische Aktivität der chronischen Fremdkörperentzündung. Insbesondere SMA- und CD68 markieren ein lokalisiertes Entzündungsinfiltrat, bestehend aus Makrophagen und Fibroblasten mit deutlicher Mediator-Aktivität (COX2, TGF ß, MMP-2). Die Unterschiede in der räumlichen Verteilung weisen auf die spezifische Störung der Narbenarchitektur durch dicke Filamente hin, wenngleich sich die Gesamtaktivität im Granulom unverändert darstellt.