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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Tantalus – ein neuer chirurgischer Ansatz zur Therapie der morbiden Adipositas – erste Langzeitdaten

Meeting Abstract

  • corresponding author A. Bohdjalian - Universitätsklinik für Chirurgie, Wien, Österreich
  • B. Ludvik - Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien, Österreich
  • K. Schindler - Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien, Österreich
  • S. Kretschmer - Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien, Österreich
  • J. Zacherl - Universitätsklinik für Chirurgie, Wien, Österreich
  • G. Prager - Universitätsklinik für Chirurgie, Wien, Österreich

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5198

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch229.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Bohdjalian et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Aufgrund der frustranen Erfolge diätetischer Interventionen stehen chirurgische Optionen zur Gewichtsreduktion bei Patienten mit morbider Adipositas zunehmend im Vordergrund. Neben restriktiven und malabsorptiven Verfahren könnte alternativen Methoden mittels Schrittmachertechnologie zur Induktion eines Sättigungsgefühls eine Bedeutung zukommen. Fragestellung: Evaluation des Langzeiteffekts einer neuen Methode der elektrischen gastralen Stimulation auf die Gewichtsreduktion sowie Auswirkung auf das Essverhalten mittels eines laparoskopisch implantierten Schrittmachers, welcher ein Sättigungsgefühl durch Verstärkung der antralen Kontraktilität induziert (Tantalus-System)

Material und Methoden: In dieser prospektiven, open-label Pilotstudie wurde bei 12 morbid adipösen Patienten (MW±SEM; 3 Männer, 9 Frauen; Alter 35.8±9.6 Jahre, Körpergewicht 129.2±18.0 kg, BMI 43.4±2.7 kg/m2) ein Tantalus-System (Metacure, USA) bestehend aus einem Impulsgenerator und drei Paaren von bipolaren Elektroden laparoskopisch implantiert. Zwei Paar Elektroden wurden jeweils im Antrum und eines im Fundus platziert. Die Beobachtungsdauer betrug 52 Wochen.

Ergebnisse: 9 Patienten beendeten die einjährige Studienzeit. Bei 8 Patienten fand sich eine Reduktion des Übergewichts (excess weight loss) von 30.5%±7.5 (p<0.05). Patienten mit einem Gewichtsverlust von >10% zeigten weiters eine Reduktion des systolischen Blutdrucks von 147,5+5,9 mmHg auf 125.8+4.0 mmHg (p<0.05). Bei allen Patienten nahm das Hungergefühl ab, und die kognitive Kontrolle über das Essverhalten während der Therapie verstärkt zu (p<0.05). Die Implantation erfolgte ohne nennenswerte Komplikationen. 52 unerwünschte Nebeneffekte wurden registriert, davon konnten jedoch nur 29.6% mit dem Gerät oder der Methode in Verbindung gebracht werden.

Schlussfolgerung: Die Applikation eines elektrischen Signals führte zur Verstärkung des natürlichen Sättigungsgefühls und zu einem signifikanten Gewichtsverlust bei einem Großteil der morbid adipösen Patienten. Die Implantation des Tantalus-Systems könnte somit einen vielversprechenden, minimal invasiven Ansatz zur Therapie der Adipositas darstellen.