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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Auswirkung einer Druckentlastung und Reperfusion auf die Organintegrität in einem Modell des abdominellen Kompartmentsyndroms

Meeting Abstract

  • corresponding author A. Schachtrupp - Chirurgische Universitätsklinik und Poliklinik der RWTH Aachen
  • L. Wiegner - Chirurgische Universitätsklinik und Poliklinik der RWTH Aachen
  • T. Kaussen - Chirurgische Universitätsklinik und Poliklinik der RWTH Aachen
  • C. Töns - Chirurgische Klinik, Marienhospital Düsseldorf
  • V. Schumpelick - Chirurgische Universitätsklinik und Poliklinik der RWTH Aachen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch2420

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch675.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Schachtrupp et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Durch einen erhöhten intraabdominellen Druck (IAD) wird beim abdominellen Kompartmentsyndrom sowohl die Organintegrität als auch die kardiale Funktion kritisch beeinträchtigt. Eine Druckentlastung in dieser Situation durchzuführen ist, jedoch kann eine kritische Kreislaufinstabilität resultieren. Es ist bislang unklar, welchen Einfluß die Reperfusion auf die Organintegrität hat. Ziel der vorliegenden Studie war es den Einfluß der Druckentlastung auf Kreislauf und Organparameter in einem Modell des abdominellen Kompartmentsyndroms zu untersuchen.

Material und Methoden

Es wurden 18 intubierte und analgosedierte Schweine (DL, 50 kg) untersucht. In 2 Gruppen (je n=6) wurde mittels CO2 Pneumoperitoneum der IAD auf 30 mmHg angehoben. Dies erfolgte für 24h in Prüfgruppe I während in II nach 18h der Druck entlastet und die Tier für weitere 6 h beobachtet wurden. In der Kontrolle blieb der IAD unverändert (Untersuchungszeit 24h). Alle Tiere erhielten zusätzlich zu einer Standardinfusion (2 ml/kg) 500 ml einer kristallinen Lösung infundiert wenn das kontinuierlich überwachte Herzzeitvolumen (HZV) unter den Wert der Kontrollgruppe fiel (< 70 ml/min x kg). Weitere Parameter waren Herzfrequenz (HF), mittlerer arterieller und zentralvenöser Druck (MAD, ZVD). Zum Abschluß erfolgte eine standardisierte Sektion und eine histologische Untersuchung der Integrität von Leber, Lunge, Niere und Darm. Immunhistochemisch wurde das Vorkommen von ICAM-1 im Lebergewebe als Maß für Leukozytenadhäsion bestimmt. Die statistische Analyse erfolgte mittels einer Varianzanalyse für Meßwiederholungen. Zusätzlich wurden gepaarte und ungepaarte t-Tests durchgeführt. Ein p<0,05 wurde als signifikant erachtet. Bei wiederholtem t-Test erfolgte eine Anhebung des Signifikanzniveaus.

Ergebnisse

Unter Gabe von zusätzlicher Infusionslösung in den Prüfgruppen unterschied sich das HZV nicht zwischen den Gruppen. Ebenso wenig unterschieden sich MAD, HF und die Urinausscheidung. Der ZVD war in den Prüfgruppen signifikant erhöht. Nach Druckentlastung trat keine Kreislaufinstabilität auf, die Diurese nahm zu. Bei der histologischen Untersuchung zeigten sich nach 24h mit einem IAD von 30 mmHg mittelgradige Schäden an Lunge, Leber, Niere und Darm. In der Reperfusionsgruppe zeigten sich geringgradige Schäden während sich in der Kontrollgruppe keine Schäden nachweisbar waren. Die höchste Expression von CD 54 zeigte sich nach 24h Druck.

Schlussfolgerung

In diesem Modell konnte durch Gabe von Flüssigkeit das Herzzeitvolumen trotz Gegenwart eines kritisch erhöhten IAD erhalten werden. Unter diesen Bedingungen kam es nach Dekompression nicht zu einer Kreislaufinstabilität. Dennoch waren Organschäden nachweisbar, wobei diese nach Druckentlastung geringer ausfielen. Die Ergebnisse legen nahe, bei kritisch erhöhtem IAD ein adäquates intravasales Volumen zu gewährleisten und umgehend eine Druckentlastung herbeizuführen um Organschäden zu vermeiden.