gms | German Medical Science

122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Einfluss von Geschlecht und Blockadehöhe auf die Vasokonstriktorenfunktion bei chirurgischen Sympathikusblockaden

Meeting Abstract

  • corresponding author K.S. Fronek - Chirurgische Klinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg
  • M. Schmelz - Institut für Anästhesie und Operative Intensivmedizin, Universität Heidelberg, Mannheim
  • W. Hohenberger - Chirurgische Klinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg
  • C.H. Schick - Chirurgische Klinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch3060

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch574.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Fronek et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung

Zur Behandlung der Hyperhidrose stellt die Unterbrechung der sympathischen Innervation durch die chirurgische endoskopische Sympathikusblockade (ESB) ein seit Jahrzehnten angewendetes Verfahren dar. Neben der Sudomotorik wird dabei auch die sympathische Gefäßinnervation aufgehoben. Ein Einfluss der Blockadehöhe oder eine bestehende Geschlechterspezifität auf diesen Effekt wurden bisher nicht gezeigt. In dieser Studie wurden diese beiden Einflussgrößen prospektiv untersucht.

Material und Methoden

Untersucht wurden 60 Patienten mit primärer palmarer Hyperhidrose (30 weibliche und 30 männliche) mit einem Alter von 17 bis 46 Jahren (Mittelwert Frauen 29,2, Männer 31,1 Jahre). Alle wurden mittels ESB auf der Höhe des zweiten (T2) oder dritten (T3) thorakalen Ganglions behandelt. Die ESB wurde als video-assistiertes thorakoskopisches Verfahren durchgeführt. Unter single-lumen Anästhesie wurden Trokare für Kameraoptik und chirurgische Instrumente eingeführt. Nach Insufflation von 1,5 Liter Karbondioxid und dem konsekutiven Kollabieren der Lunge, wurde der sympathische Grenzstrang identifiziert und nach Pleurafensterung die ESB entweder durch Durchtrennen des Grenzstrangs zwischen dem ersten und zweiten Ganglion (T2 incompl; 4 Frauen, 10 Männer) oder durch Resektion des zweiten (T2; 15 Frauen, 14 Männer) oder dritten Ganglions (T3; 11 Frauen, 6 Männer) durchgeführt. Die Wiedererwärmungskinetik wurde durch eine Infrarot-Thermokamera aufgenommen (Thermovision 900, Agema Infrared Systems, Schweden). Die Sudomotorenfunktion wurde mittels quantitativer Hygrometrie untersucht (Hygrolab A2, Rotronic AG, Bassersdorf, Schweiz)

Ergebnisse

Die Wiedererwärmungskinetik (Abb.) nach ESB war 2 Tage postoperativ massiv verstärkt. 3 Monate nach ESB auf Höhe T3 kehrte die Wiedererwärmungskinetik zum präoperativen Ausgangszustand zurück. Eine ESB auf Höhe T2 bewirkte eine signifikant schnellere Wiederwärmung im Vergleich zu T3 sowohl 2 Tage als auch 3 Monate postoperativ. Unabhängig von der Höhe der ESB bestand bei Frauen eine langsamere Wiedererwärmung bereits vor der Operation. Dieser Geschlechterunterschied war am 2. Tag postoperativ deutlich reduziert, stieg jedoch bis 3 Monate nach der Operation wieder an. Des weiteren zeigte sich, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Wiedererwärmungskinetik der Fingerspitzen und der Handinnenflächen gab. Bei allen Patienten blieb die Sudomotorenfunktion unterdrückt.

Schlussfolgerung

Für die sympathische Vasokonstriktion der Fingerspitzen ist das sympathische Ganglion T2 entscheidend. Bezüglich der Kälte-induzierten Vasokonstriktion müssen in der Beurteilung des Effekts der ESB Geschlechterunterschiede berücksichtigt werden. Es bleibt zu zeigen, ob die Quantifizierung der Vasokonstriktion einen prädiktiven Wert für die Langzeitprognose der Sympathikusblockade liefern kann. [Abb. 1]