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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Gibt es die "goldene Mitte" für den Bauchnabel?

Meeting Abstract

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  • corresponding author J. Eichhorn-Sens - Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der MHH, Klinikum Hannover
  • L. Hoy - Institut für Biometrie, MHH, Klinikum Hannover
  • P.M. Vogt - Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der MHH, Klinikum Hannover

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch3096

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch568.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Eichhorn-Sens et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

An der Auffassung, dass der Nabel stets „in der Mitte des Bauches“ gelegen ist, bestehen im allgemeinen keine Zweifel. In der Literatur wurde nach unseren Recherchen erst in einer einzigen Arbeit auf den Irrtum dieser Annahme hingewiesen, wohingegen z.B. die Asymmetrien beider Gesichtshälften oder der Mamma generell bekannt und anerkannt sind und bereits in einer größeren Anzahl von Studien beschrieben wurden.

Material und Methoden

An 100 Probanden (35 Männer, 65 Frauen) wurde die Position des Bauchnabels vermessen. Als Landmarken dienten der Abstand des Nabels in Zentimetern zu den beiden Spinae iliacae anterior superior sowie zum Unterrand des Xyphoid. Zusätzlich erfolgte die Auswertung standardisierter digitaler Fotografien. Ermittelt wurden dabei die Abstände der Horizontalen von je beiden Seiten des Abdomens zur Mitte des Nabels und ebenso der Abstand des Nabels zum markierten Xyphoidunterrand. Neben der absoluten Abweichung des Nabels von der Mittellinie wurde die Abweichung in Prozent bezogen auf die Fläche des Abdomens bestimmt. Probanden mit orthopädischen Erkrankungen, wie z.B. Skoliose oder Beinlängendifferenzen wurden ebenso wie Probanden mit Narben nach abdominellen Operationen sowie mit einem BMI (Body mass index) über 30 kg / qm ausgeschlossen. Erhoben wurden Alter und BMI sowie bei den Frauen zusätzlich die Anzahl der Schwangerschaften. Die statistische Auswertung erfolgte mittels T-Test und Mann-Withney U-Test.

Ergebnisse

Bei Männern wich der Nabel von der Mittellinie bis maximal 1 cm ab (entsprechend 2,2 % bezogen auf die Fläche des Abdomens), bei den Frauen bis maximal 3 cm (entsprechend 4,0 % bezogen auf die Fläche des Abdomens). Das Abweichen der Position des Nabels von der Mittellinie war bei den Männern um 0,4 Prozent (p = 0,002) sehr signifikant und bei den Frauen um 1,3 Prozent (p = 0,000) höchst signifikant. Mit steigendem Alter sowie mit Erhöhung des BMI zeigte sich bei den Frauen eine leichte Korrelation zur Abweichung des Nabels von der Mitte. Bei den Männern konnte keinerlei Unterschied mit zunehmendem Alter oder steigendem BMI festgestellt werden. Eine hoch signifikante Abweichung des Nabels von der Mittellinie fand sich nach stattgehabter Schwangerschaft, nämlich um 1,7 % (p = 0,000), wobei eine zunehmende Kinderzahl keinen Einfluss hatte. Interessanterweise verhielt sich die Abweichung des Nabels von der Mittellinie bei den Nullipara ähnlich wie bei den Männern, nämlich mit 0,5 % Abweichung und damit fehlender Signifikanz im Vergleich zu den männlichen Probanden.

Schlussfolgerung

Insbesondere bei ästhetischer Indikation zur Bauchdeckenplastik ist von einer besonders hohen Erwartungshaltung der Patientinnen und Patienten an das kosmetische Ergebnis auszugehen. Wir empfehlen daher bereits im Vorfeld die jeweilige Position des Bauchnabels auszumessen und mögliche Abweichungen mit dem Patienten zu besprechen, da dieser üblicherweise davon ausgehen wird, dass sein Nabel die Mitte des Bauches anzeigt und er sich an „seine Mitte“ gewöhnt hat. Diese Vorgehensweise kann späteren Unzufriedenheiten der Patienten mit dem operativen Ergebnis vorbeugen.