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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Das Packing ist nur eine Primärmaßnahme beim komplexen Lebertrauma

Meeting Abstract

  • corresponding author S. Scheingraber - Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäss- und Kinderchirurgie, Bonn
  • M. Weinrich - Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäss- und Kinderchirurgie, Bonn
  • G.A. Pistorius - Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäss- und Kinderchirurgie, Bonn
  • M.K. Schilling - Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäss- und Kinderchirurgie, Bonn

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch3788

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch477.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Scheingraber et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Die Prävalenz eines begleitenden Lebertraumas beträgt 10% beim Polytrauma. Während kleinere Leberläsionen (Grad 1 nach Moore) oft erst im CT diagnostiziert und in der Regel konservativ behandelt werden können, erfordern komplexe Leberverletzungen aufgrund der kreislaufwirksamen Blutungen in der Regel eine rasche chirurgische Versorgung. Da es sich in der Regel um polytraumatisierte Patienten handelt, wird zur raschen Blutstillung in der Regel das initiale Packing empfohlen. Ziel der Präsentation ist, den Stellenwert differenzierter leberchirurgischer Maßnahmen in der Primärversorgung des Lebertraumas dem Packing gegenüberzustellen.

Material und Methoden

Zwischen 01.01.2003 und 15.09.2004 wurden in unserem Hause 238 operative Eingriffe an der Leber durchgeführt. 5% der Patienten (n=11) wurden wegen einem komplexen Lebertrauma laparotomiert. 10 dieser Patienten wiesen schwere Begleitverletzungen auf (Thoraxtrauma, SHT, Beckenfrakturen, Extremitätenfrakturen). In drei Fällen lagen weitere intraabdominelle Verletzungen (Milzläsionen, Pankreaskontusionen) vor. Zwei Patienten wurden nach auswärtigen Voroperationen zuverlegt, 7-mal lagen Verkehrsunfälle, dreimal Sturz aus großer Höhe und ein Reitunfall vor.

Ergebnisse

Ein Patient wurde ausschließlich primär gepackt, dreimal erfolgte trotz der Parenchymläsion und der begleitenden Gefäßverletzungen (einmal V.-cava-Riss, zweimal Leberveneneinrisse) die primäre Naht mit vollständigem Parenchymerhalt. In den übrigen Fällen erfolgte jeweils eine Leberresektion des zerstörten und minderperfundierten Parenchymanteils. Die Resektionen erfolgten mehrheitlich mit dem Vascularstapler. In fünf Fällen konnte durch eine einmalige Laparotomie das Lebertrauma definitiv beherrscht werden, in vier Fällen erfolgte eine Second-look-Laparotomie zur Entfernung zusätzlich eingebrachter Bauchtücher. Zwei Patienten mussten wegen Nachblutungen revidiert werden, einmal sieben, einmal zehn Tage nach dem Primäreingriff. An postoperativen Komplikationen sahen wir ein infiziertes Biliomm eine anhaltende Hyperbilirubinämie bei hämobiliärem Shunt sowie einem Wundinfekt. Von den 11 Patienten ist keiner verstorben.

Schlussfolgerung

Während das Packing beim komplexen Lebertrauma oftmals nur als Primärmaßnahme zur Stabilisierung des Patienten angesehen werden kann, lässt sich durch ein befundadaptiertes chirurgisches Vorgehen entweder mit primärer Naht oder sparsamer Parenchymresektion in der Regel auch ein komplexes Lebertrauma beherrschen. Diese Maßnahmen setzen eine entsprechende Erfahrung in der Leberchirurgie voraus. Aus diesem Grund sollte möglichst die Versorgung eines Patienten mit Lebertrauma an ein Zentrum für hepato-biliäre Chirurgie gebunden sein.