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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Das schwere Trauma im Kindesalter - eine Analyse auf Basis des Traumaregisters der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie

Meeting Abstract

  • corresponding author S. Ruchholtz - Klinik für Unfallchirurgie Universitätsklinikum Essen, Essen
  • C. Kuehne - Klinik für Unfallchirurgie Universitätsklinikum Essen, Essen
  • B. Pehle - Klinik für Unfallchirurgie Universitätsklinikum Essen, Essen
  • M. Hering - Klinik für Unfallchirurgie Universitätsklinikum Essen, Essen
  • D. Nast-Kolb - Klinik für Unfallchirurgie Universitätsklinikum Essen, Essen
  • AG Polytrauma - Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch2571

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch469.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Ruchholtz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Polytraumatisierungen sind im Kleinkindes- und Kindesalter erfreulicherweise relativ selten. Aus diesem Grund basieren die klinischen bzw. epidemiologischen Untersuchungen zu schweren Verletzungen in diesen Altersgruppen auf verhältnismäßig kleinen Kollektiven. In der vorliegenden Untersuchung wurde diese Patientengruppe anhand der prospektiven Daten des Traumregisters der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) analysiert.

Material und Methoden

Das Traumaregister der DGU stellt eine standardisierte, multizentrische Erfassung schwerverletzter Patienten vom Unfallort bis zur Klinikentlassung dar. Die Versorgung eines Schwerverletzten wird prospektiv zu vier definierten Zeitpunkten dokumentiert. Jeder Patient, der über den Schockraum einer Klinik aufgenommen wird und intensivpflichtig ist, wird erfasst. Im Rahmen der Dokumentation werden national und international gängige Scores berechnet.

Ergebnisse

Aus dem Kollektiv von 14110 Patienten (Zeitraum 1/1993-12/2002) konnten die Daten von 531 schwerverletzten Kindern (Alter ≤16; Injury Severity Score ≥16) analysiert werden. Es zeigte sich, dass die Altersgruppe bis 16 Jhr. nur einen Anteil von 5,8% an allen Schwerstverletzten hat. In der Gruppe der Kinder wiederum zeigt sich ein deutlicher prozentualer Anstieg der Traumapatienten in Abhängigkeit vom Alter (0-5 Jhr. 16% vs. 11-16 Jhr. 65% der Kinder; [Tab. 1]). Interessanterweise ist das Geschlechterverhältnis der Traumapatienten bereits in der Gruppe der Kinder mit 62% männlichen Patienten (73% bei den Erwachsenen) deutlich verschoben. Dies ist möglicherweise auf die erhöhte Risikobereitschaft und Aktivität der Knaben zurückzuführen. So liegt die Rate bei den Stürzen aus über 3 Meter Höhe bei 71% Jungen und bei Fahrradunfällen bei 75% Jungen während es bei verunfallten PKW-Insassen 48% (Mädchen) zu 52% (Jungen) beträgt. Die einzelnen Unfallursachen unterscheiden sich in den Altersgruppen der Kinder deutlich. In der Gruppe der 0-5 Jährigen überwiegen die Stürze über 3 m (24%) und die angefahrenen Fußgänger (23%), in der Gruppe der 6-10 Jährigen sind es die Fußgänger (29%) und Fahrradfahrer (20%) und bei den 11-16 Jährigen sind es vor allem die Fahrradunfälle (30%).Im Muster der schwerverletzen Körperregionen fällt eine hohe, mit zunehmendem Alter abnehmende Inzidenz schwerer Kopfverletzungen auf (78% vs 65% bei den 11-16 jährigen). Bei allen anderen Körperregionen verhält es sich exakt umgekehrt. Sowohl die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation, als auch die Beatmungszeit steigen in den einzelnen Altersgruppen deutlich an [Tab. 1]. Die Prognose wurde auf der TRISS-Methode berechnet. Hierbei zeigt sich für die Kinder, daß die tatsächliche Letalität bei insbesondere den jüngeren Kindern mit Differenzen von 7,9 und 8,8% deutlich gegenüber der vorausberechneten Letalität in den höheren Altersgruppen und bei den Erwachsenen verbessert ist.

Schlussfolgerung

Erhöhte Risikobereitschaft führt bereits bei Kleinkindern zu einem erhöhten Anteil schwerverletzter Jungen. Schwerstverletzte Kinder unterscheiden sich in Abhängigkeit vom Alter deutlich in Bezug auf Unfallmechanismus, Verletzungsmuster und Verlaufsparameter. Mit zunehmendem Alter steigen Beatmungszeit und Intensivstationsaufenhaltsdauer gleichzeitig verschlechtert sich die Prognose .