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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Primärtumorresektion synchron inkurabel metastasierter kolorektaler Karzinome: Ergebnisse von 232 Patienten eines Zentrums

Meeting Abstract

  • corresponding author A. Kleespies - Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Universitätsklinikum Grosshadern
  • K. Füessl - Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Universitätsklinikum Grosshadern
  • H. Seeliger - Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Universitätsklinikum Grosshadern
  • K.W. Jauch - Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Universitätsklinikum Grosshadern

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch3826

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch432.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Kleespies et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Die Primärtumorresektion kolorektaler Karzinome im Stadium IV mit synchronen irresektablen Lebermetastasen ist umstritten und dennoch in den meisten Kliniken Standard. Zur Analyse des onkologischen Nutzens und der konsekutiven Morbidität dieses primär palliativchirurgischen Vorgehens untersuchten wir prospektiv 232 Patienten.

Material und Methoden

In den Jahren 1996 bis 2002 wurden in unserer Klinik 232 Patienten mit primär inkurabel metastasierten kolorektalen Karzinomen elektiv operiert. Notfalloperationen auf Grund von Ileus oder einer endoskopisch nicht stillbaren Blutung wurden hierbei nicht berücksichtigt. Der klinische Verlauf der Patienten wurde in einer prospektiv angelegten Datenbank erfasst und die Patienten in regelmäßigen Abständen nachuntersucht.

Ergebnisse

Bei 134 Patienten lag ein primäres Kolonkarzinom vor, 101 Patienten wurden aufgrund eines Rektumkarzinoms operiert (3 Patienten zeigten ein kolorektales Doppelkarzinom). Zum Operationszeitpunkt betrug das mittlere Alter der Patienen 63,8 Jahre, es waren vorwiegend männliche Patienten betroffen (n=165, m:w =1:0,4). Lediglich 22 Patienten (9%) waren zum Diagnosezeitpunkt beschwerdefrei (Rektum:5%, Kolon 13%). Die überwiegende Mehrzahl der Patienten war klinisch symptomatisch. 42 Patienten (18%) klagte über Schmerzen, 107 (46%) zeigten rezidivierende Blutungen, bereits bei 51 Patienten (22%) mit deutlicher Tumoranämie. 118 Patienten (51%) zeigte eine Stenosesymptomatik. Bei 57 Patienten (ausschliesslich Rektumkarzinome) musste intraoperativ ein Anus praeter angelegt werden. Eine lokale R0-Resktion wurde bei 194 Patienten (84%) erreicht. Der postoperative intensivstationäre Aufenthalt betrug 0,9 Tage, bei einer medianen postoperativen Verweildauer von 13 Tagen. Chirurgische Komplikationen traten in Form von Wundheilungsstörungen (n=16), Wunddehiszenz (n=11), Peritonitis (n=11), Nachblutung (n=9), Anastomoseninsuffizienzen (n=18), und postoperativem Subileus (n=17) auf und führten bei 13% der Patienten zur erneuten operativen Intervention (n=29). 88% der Patienten erhielten postoperativ eine Chemotherapie. Das mittlere Überleben der Patienten betrug 13,2 Monate. Hierbei zeigte das Ausmass der hepatischen Metastasierung prognostischen Wert.

Schlussfolgerung

Die meisten Patienten mit primär metastasiertem kolorektalen Karzinom zeigen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine eindrückliche klinische Symptomatik, welche mittels primärer palliativer Tumorresektion mit einem kalkulierbaren Risiko innerhalb einer akzeptablen stationären Zeitspanne operativ behandelt werden kann. Inwieweit, unabhängig von der Lebensqualität, eine Verlängerung des mittleren Patientenüberlebens gegenüber konservativen Therapieregiemen (Lasertherapie, Stent, primäre Chemotherapie) erzielt werden kann, muss in einer vergleichenden prospektiven Studie geklärt werden.