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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Der Einfluss des Kühleffektes intrahepatischer Gefäße auf das Destruktionsvolumen bei in-situ-Ablationsverfahren

Meeting Abstract

  • corresponding author K.S. Lehmann - Chirurgische Klinik, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • J.P. Ritz - Chirurgische Klinik, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • B. Frericks - Klinik und Poliklinik für Radiologie und Nuklearmedizin, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • J. Drexl - MeVis gGmbH, Universität Bremen, Bremen, Deutschland
  • S. Valdeig - Chirurgische Klinik, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • V. Knappe - Institut für Biomedizinische Technik und Physik, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • K.J. Wolf - Klinik und Poliklinik für Radiologie und Nuklearmedizin, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • H.O. Peitgen - MeVis gGmbH, Universität Bremen, Bremen, Deutschland
  • H.J. Buhr - Chirurgische Klinik, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch3720

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch239.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Lehmann et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Der Einsatz thermischer Ablationsverfahren in der Therapie von Lebermetastasen birgt das Risiko lokaler Rezidive aufgrund unzureichender Überlappung von Destruktionsvolumen und Tumorvolumen. Als wesentlicher Einflussfaktor wird der Kühleffekt von Lebergefäßen angenommen. Dieser führt durch Wärmeabtransport zu ungleichmäßig gestalteten Läsionen und damit zu Abweichungen von der symmetrischen Form. Ziel dieser Studie war es, den Kühleffekt der Leberperfusion in-vivo zu demonstrieren und Einflussfaktoren zu bestimmen.

Material und Methoden

An Hausschweinen (45 kg, Intubationsnarkose) wurde eine CT-gesteuerte Punktion mit einem Applikator für die laserinduzierte Thermotherapie (LITT) in der Nähe größerer Lebergefäße durchgeführt. Die LITT wurde mit 28 W für 20 min durchgeführt. Nach Entnahme der Leber wurde diese in 2mm-Schichten entlang der Applikatorachse zerteilt, fotodokumentiert und digital planimetriert. Das Gesamtvolumen, sowie die Flächen der einzelnen Schichten wurden bestimmt. Zur Analyse des Kühleffektes wurde die Verkürzung des Läsionsradius durch benachbarte Lebervenen- und Portalvenenäste gemessen und die idealisierte Schnittfläche ohne Kühleffekt mit der realen Läsionsfläche verglichen.

Ergebnisse

An 5 Versuchstieren wurden 8 Thermoläsionen in Gefäßnähe induziert. Der Durchmesser der untersuchten Gefäße lag bei MW 2,23 ±0,57 mm. Der maximale Läsionsradius als Mass für die weiteste radiale Ausdehnung ohne Kühleffekt lag bei MW 9,88 ±0,39 mm. Gefäße in einer Entfernung von MW 6,93 ±1,79 mm zur Thermoläsion führten zu einer Verkürzung des Radius um MW 4,62 ±1,22 mm im Bereich der Gefäßkühlung und damit zu deutlich azyklisch geformten Läsionen. Die reale Fläche der Läsionsscheiben war mit MW 243,32 ±38,20 mm2 um 91,51 ±16,93 mm2 kleiner als die idealisierte Fläche anhand des maximalen Radius. Im Bereich periportaler Felder zeigte sich ein flächiger Kühleffekt, Lebervenenäste führten häufig zu zirkumskripten Deformationen der Läsion (s. [Abb. 1]).

Schlussfolgerung

1.) Der Kühleffekt von Lebergefäßen auf Thermoläsionen konnte in-vivo erstmals reproduzierbar demonstriert werden. Gefäße ab einem Durchmesser von 1,8 mm führten zu einer deutlichen Asymmetrie von Läsionen. 2.) Insbesondere Portalvenen führten zu flächigen Abweichungen von der Läsions-Idealform, während Lebervenen, vermutlich aufgrund einer niedrigeren Flussgeschwindigkeit, begrenzte Formveränderungen bedingten. 3.) Der Kühleffekt von Lebergefäßen verursacht azyklische Thermoläsionen und birgt das Risiko von Tumorrezidiven. Bei Thermoablationen in der Nähe größerer Gefäße sollte dieser Effekt in der Planung berücksichtigt werden (gefördert durch die DFG, Ref.# GE 932/2-1).