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30. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2012)

11.01. - 14.01.2012, Nassfeld, Österreich

Behandlung der Sepsis bei Verbrennungen: Die duale Rolle des Plastischen Chirurgen als Verbrennungs- und Intensivmediziner

Meeting Abstract

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  • corresponding author E. Sarantopoulos - Klinik für Plastische-, Ästhetische- und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte
  • T. Pierson - Klinik für Plastische-, Ästhetische- und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte
  • H. Menke - Klinik für Plastische-, Ästhetische- und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte

Deutschsprachige Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. 30. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2012). Nassfeld, Österreich, 11.-14.01.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dav51

DOI: 10.3205/12dav51, URN: urn:nbn:de:0183-12dav512

Veröffentlicht: 7. August 2012

© 2012 Sarantopoulos et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Sepsis ist eine häufige und zugleich schwere Komplikation der Verbrennungskrankheit. Patienten mit mehr als 20% VKOF entwickeln in etwa 28% eine Multiorgandysfunktion und in etwa 14% eine schwere Sepsis oder einen septischen Schock. Das septische Multiorganversagen stellt die führende Todesursache Schwerbrandverletzter in der Postschockphase dar.

Die Behandlung der Sepsis bei der Verbrennungskrankheit verlangt das „dynamische“ Denken aus Sicht des Plastischen Chirurgen. Der plastische Chirurg sollte in der Lage sein, sowohl als Verbrennungs- als auch als Intensivmediziner zu denken und abhängig von dem führenden Krankheitsbild die entsprechende Rolle zu übernehmen und von der einen in die andere Rolle dynamisch zu wechseln. Im Rahmen von Fallbeispielen wird die Signifikanz der frühzeitigen Erkennung und Behandlung der Sepsis für die Prognose der Schwerbrandverletzte dargestellt.

Patienten undMethoden: Wir zeigen den stationären Verlauf von sechs Patienten, die vom November 2010 bis April 2011 in unserem Zentrum für Schwerbrandverletzte behandelt wurden.

Alle sechs Patienten hatten eine IIb-III° Verbrennungskrankheit mit mehr als 20% VKOF (von 25% bis 37% VKOF). Das Alter der Patienten lag zwischen 26 und 70 Jahre, der ABSI-Score war zwischen 6 und 10. Drei von den Patienten hatten ein begleitendes Inhalationstrauma und mussten für längere Zeit intubiert bzw. kanüliert und beatmet werden. Zwei der Patienten hatten signifikante Nebenkrankheiten. Die Aufenthaltsdauer lag zwischen 19 und 61 Tage. Alle Patienten wurden operativ versorgt (chirurgisches Débridement und Spalthauttransplantation) und bei allen Patienten wurde der stationäre Aufenthalt durch die Sepsis kompliziert.

Ergebnisse: Die Sepsis konnte bei fünf von sechs Patienten erfolgreich behandelt werden, so dass die Patienten in weitere Rehabilitationsmaßnahmen entlassen werden konnten. Ein Patient verstarb im Rahmen des septischen Multiorganversagens.

Schlussfolgerung: Sepsis, schwere Sepsis und septischer Schock definieren ein Krankheitskontinuum, das über eine Kombination aus Vitalparametern, Laborwerten, hämodynamischen Daten und Organfunktionen definiert wird. Wenn die Verbrennungskrankheit durch die Sepsis kompliziert wird, dann ist für die Prognose des Schwerbrandverletzten die frühzeitige Diagnosestellung der Sepsis entscheidend sowie die unverzügliche chirurgische und/oder antibiotische Herdsanierung. Das septische Krankheitsbild und seine frühzeitige Behandlung steht in solchen Situationen im Vordergrund und stellt eine Herausforderung für die intensivmedizinische Identität des Plastischen Chirurgen dar. Die erfolgreiche Behandlung der Sepsis stellt eine besondere Herausforderung des Plastischen Chirurgen für seine Verbrennungsmedizinische Identität dar und ist Voraussetzung sekundär andere Aspekte des Verbrennungstraumas zu behandeln (Wiederherstellung der zerstörten Hautintegrität, Deckung restliche Defekte, Narben etc.).