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28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2010)

13.01. bis 16.01.2010, Schladming, Österreich

Die Sonderrolle der Zugsurfer unter Starkstromunfällen

Meeting Abstract

  • corresponding author David Benjamin Lumenta - Medizinische Universität Wien, Klinische Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Klinik für Chirurgie, Wien, Österreich
  • Martin Vierhapper - Medizinische Universität Wien, Klinische Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Klinik für Chirurgie, Wien, Österreich
  • Lars-Peter Kamolz - Medizinische Universität Wien, Klinische Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Klinik für Chirurgie, Wien, Österreich
  • Maike Keck - Medizinische Universität Wien, Klinische Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Klinik für Chirurgie, Wien, Österreich
  • Manfred Frey - Medizinische Universität Wien, Klinische Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Klinik für Chirurgie, Wien, Österreich

DAV 2010. 28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Schladming, Österreich, 13.-16.01.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dav05

DOI: 10.3205/10dav05, URN: urn:nbn:de:0183-10dav058

Veröffentlicht: 30. Juni 2010

© 2010 Lumenta et al.
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Gliederung

Text

Ziel: Unter Starkstromunfällen nehmen Zugsurfer aufgrund der Verletzungsschwere und des jungen Alters eine Sonderrolle ein. Anhand einer retrospektiven Analyse soll eine Übersicht der Literatur und ein Vergleich innerhalb des Kollektivs der Starkstromverbrennungen durchgeführt werden.

Patienten und Methoden: Retrospektive Analyse von 1994 bis 2008: 12 Zugsurfer und 31 Patienten nach Starkstrom-bedingten Arbeitsunfällen.

Ergebnisse: Das Alter (Zugsurfer vs. Arbeitsunfälle MW±SD 16±2 vs. 32±11 Jahre / p<0,0001) und die verbrannte Körperoberfläche (50±17 vs. 24±20 %VKOF / p=0,0008) war bei den Zugsurfern signifikant größer als nach Arbeitsunfällen. Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes (Zugsurfer vs. Arbeitsunfälle Median[25IQ–75IQ]: 49,5 [31–80,5] vs. 40 [19–57] Tage) und Anzahl der Operationen wichen nicht signifikant voneinander ab (5 [2,5–8,5] vs. 3 [2–6] Operationen). Es gab jeweils einen Todesfall in beiden untersuchten Gruppen.

Es wurden insgesamt 27 Fasziotomien durchgeführt (Zugsurfer 9/12 und Arbeitsunfälle 18/31), und 14 Amputationen waren an Gliedmaßen erforderlich (Zugsurfer 5/12 und Arbeitsunfälle 9/31). Bei den Zugsurfern ging in allen Fällen mit Amputation eine Fasziotomie voraus. Bei den Arbeitsunfällen wurde in vier Fällen aufgrund des Verletzungsausmaßes unmittelbar eine Amputation durchgeführt. Neben Debridement und Spalhautdeckungen wurden insgesamt 18 Lappenplastiken verwendet: bei Zugsurfern drei, davon eine freie, und nach Arbeitsunfällen insgesamt 14, davon 4 freie Lappenplastiken. Als Komplikationen traten zwei Lappenkomplettverluste (jeweils einer pro Gruppe) und ein Lappenteilverlust nach Arbeitsunfall auf.

Schlussfolgerung: Nach Starkstromunfällen sind die jüngeren Zugsurfer bei signifikant größer verbrannter Körperoberfläche von den erheblichen Folgeschäden genauso betroffen, wie die von Schutzmaßnahmen umgebenen Arbeiter. Trotz Durchführung einer zeitgerechten Faszio tomie waren im Rahmen der durchgeführten Operationen bei fast der Hälfte der Zugsurfer und einem Drittel der Arbeitsunfälle Amputationen notwendig. Der adäquate Zeitpunkt zur Deckung von komplexen Weichteildefekten wird aufgrund der Starkstrom-assoziierten Komplikationen diskutiert.