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26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2008)

06.01. bis 09.01.2008, Engelberg

Carl Ferdinand Ritter von Hebra (1816–1880) und die Wasserbetten-Therapie bei schweren Verbrennungen

Meeting Abstract

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  • Andreas Gohritz - Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Medizinische Hochschule, Hannover
  • Merlin Guggenheim - Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Medizinische Hochschule, Hannover
  • Peter M. Vogt - Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Medizinische Hochschule, Hannover
  • Matthias Rab - Klinik für Plastische und Wiederherstellungschirurgie, Wilhelminenspital, Wien

DAV 2008. 26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Engelberg, 06.-09.01.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dav12

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2008/08dav12.shtml

Veröffentlicht: 30. Juni 2008

© 2008 Gohritz et al.
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Gliederung

Text

Carl Ferdinand Ritter von Hebra (1816–1880) berichtete 1861 erstmals „über die contnuirliche allgemeine Bäder und deren Anwendung bei der Behandlung von Verbrennungen“.

Ziel: In diesem Vortrag wird der Erfinder und seine bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts benutzte Wasserbettbehandlung bei schweren Verbrennungen vor ihrem zeit- und medizingeschichtlichen Hintergrund vorgestellt.

Ergebnisse: Hebra entdeckte 1844 als unbesoldeter Hilfsarzt die Krätzmilbe als Erreger der Skabies, zertrümmerte so das Dogma der Humoralpathologie, wonach Hauterkrankungen nur „Ausschläge“ innerer Erkrankungen seien und ermöglichte, was bisher niemand gewagt hatte: Krankheiten dieses eigenen Organs, der Haut, zu behandeln. Als Professor einer 1849 neu gegründeten Klinik führte er die bis heute gültige Effloreszenzenlehre ein, begründete mit Rokitansky und Skoda die berühmte 2. Wiener Medizinische Schule und wurde mit seinem monumentalen „Atlas der Hautkrankheiten“ zum „Vater der Dermatologie“ im Deutschsprachigen Raum.

Seine Heilerfolge bei schweren Verbrennungen mit der Dauerbad-Therapie führten zu eigenen Stationen, in denen Patienten in speziellen Badewannen über Wochen und Monate auf verstellbaren Gurten „ganz behaglich“ gelagert wurden. Vorteile des Verfahrens waren die schmerzstillende, beruhigende und keimreduzierende Wirkung des strömenden Wassers, das durch einen Kessel beheizt wurde, durch seinen Auftrieb den Auflagedruck minderte und Verbandswechsel erleichterte. Die Methode bot zudem die heute wissenschaftlich bewiesenen Vorteile einer feuchten Wundbehandlung und wurde auch bei Bauchwandphlegmonen, Darmfisteln und ausgedehnten Druckgeschwüren bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts erfolgreich angewandt.

Schlussfolgerung: Der Rückblick auf die Wasserbett-Therapie schenkt die Gelegenheit, die überaus interessante Entwicklung der ersten modernen Lagerungstherapie für Schwerkranke und der feuchten Wundtherapie bei Brandverletzten zu entdecken.