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26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2008)

06.01. bis 09.01.2008, Engelberg

Patienten mit selbst verursachten Verbrennungen: praktische Implikationen des Vorhandenseins von psychiatrischen Erkrankungen

Meeting Abstract

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  • A. Titscher - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Wien
  • L. P. Kamolz - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Wien
  • V. Belke - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Wien
  • M. Frey - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Wien

DAV 2008. 26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Engelberg, 06.-09.01.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dav06

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2008/08dav06.shtml

Veröffentlicht: 30. Juni 2008

© 2008 Titscher et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Behandlung von Patienten mit schweren Verbrennungen, die aus einem Suizidversuch resultieren, stellen eine der größten Herausforderungen für jedes Brandverletztenzentrum dar. Die Mehrheit der Patienten mit „Selbstverbrennungen“ hat eine psychiatrische Vorgeschichte und eine dementsprechend schlechtere Wundheilung, mehr Operationsbedarf sowie Compliance-Probleme (1;2); Ihre Verbrennungen sind oft schwerwiegender und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist länger als bei Patienten mit Verbrennungen, die aus einem Unfall resultieren (4;3). Ziel dieser Studie war es, einen Überblick über Patienten mit Selbstverbrennung der letzten 11 Jahre zu geben und anhand dessen die Häufigkeit von psychiatrischen Störungen in dieser Patientengruppe sowie die sich daraus ableitenden unterschiedlichen Behandlungsverläufe darzustellen.

Methoden: Es wurde eine Durchsicht der Krankenakten von Patienten mit Selbstverbrennung zwischen 1994 und 2005 vorgenommen. Untersucht wurden das Vorhandensein von psychiatrischen Erkrankungen bzw. Psychiatrischen Diagnosen, die Umstände der Verbrennung, Verbrennungsausmaß, Behandlung und Verlauf. Soweit es möglich war, wurde auch die weitere Entwicklung der Patienten nach der Entlassung verfolgt.

Ergebnisse: Zwischen 1994 und 2005 wurden 36 Patienten (25 männlich, 11 weiblich) mit Suizidversuchen, die in schweren Verbrennungen resultierten am Wiener Brandverletzten-Zentrum aufgenommen. Das Ausmaß der Verbrennung betrug im Durchschnitt 43% und die Dauer des Aufenthalts belief sich im Mittel auf 23 Tage (Schwankungsbreite 1–221). Die am häufigsten gewählte Methode des Suizidversuchs war das Übergießen mit brennbarer Flüssigkeit. 54% der Patienten verstarben auf der Intensivstation.

Krankheitswertige psychiatrische Störungen konnten bei 62% der Patienten gefunden werden. Basierend auf einer genauen Analyse der Patienten war es möglich, eine Einteilung in drei Gruppen von Patienten mit Selbstverbrennung vorzunehmen: “typical”, “delirant” und “reactive”. Während Patienten der Gruppe „typical“ an einer für Selbstverbrennungen klassischen psychiatrischen Störung leiden und gezielt einen Suizid planen, haben „delirant“-Patienten zwar ebensoeine psychiatrische Erkrankung, entzünden sich aber nicht in der aktiven Absicht ihr Leben zu beenden sondern im Rahmen eines wahnhaften/deliranten Zustandes. Patienten der letzten Gruppe – „reactive“ – haben meist keine längere psychiatrische Vorgeschichte sondern reagieren mit ihrer Tat auf akut belastende Lebensumstände.

Schlussfolgerungen: In unserer Studie konnte bei ca. 2/3 der Patienten eine krankheitswertige psychiatrische Störung in der Vorgeschichte festgestellt werden. Die Analyse der Charakteristika der untersuchten Patienten zeigte eine mögliche Einteilung in drei Gruppen welche auf den Achsen “Psychiatrische Diagnose” und “Suizidversuch” unterschieden werden können und hinsichtlich Behandlungsverlauf und Prognose differieren.