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25. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2007)

10.01. bis 13.01.2007, St. Anton am Arlberg

Der präexpandierte mikrochirurgische Lappen als Alternative zur Fremdgesichttransplantation bei der Rekonstruktion schwerverbrannter Gesichter?

Meeting Abstract

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  • corresponding author A. Jester - Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, BG-Klinik Ludwigshafen
  • G. German - Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, BG-Klinik Ludwigshafen

DAV 2007. 25. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. St. Anton am Arlberg, 10.-13.01.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc07dav17

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2007/07dav17.shtml

Veröffentlicht: 25. Juni 2008

© 2008 Jester et al.
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Gliederung

Text

In einer Zeit, wo die Transplantation von Leichengesichtern als einzige Möglichkeit zur narbenfreien Rekonstruktion schwerverbrannter Gesichter diskutiert wird, wird eine alternative Rekonstruktionsmöglichkeit bei diesem sehr speziellen Patientengut vorgestellt. Am Fall eines kleinen Jungen wird ein neuer Weg bei der Rekonstruktion verbrannter Gesichter beschrieben.

Der Junge erlitt im Alter von 2 Jahren unter anderem eine 3° Verbrennung des Gesichtes. Bei der ersten Vorstellung des Jungen in Jordanien im Rahmen einer humanitären Aktion zeigte sich ein vollständig vernarbtes Gesicht ohne Nase, Lider, Ohren und größerer Anteile der Lippen. Die Unterlippe war am Hals verwachsen, so dass weder eine Nahrungsaufnahme, noch Trinken möglich war. In einem ersten Schritt konnte durch eine Vollhauttransplantation die Unterlippenkontraktur soweit gelöst werden, dass eine Nahrungsaufnahme wieder möglich war. Danach wurde in multiplen Operationsschritten ein Gewebeexpander am Rücken implantiert und die darüberliegende Haut gedehnt. Der so präexpandierte Paraskapularlappen wurde dann nach kompletter Narbenexzision ins Gesicht gelegt, Öffnungen für Mund, Nase und Augen inzidiert und mikrochirurgisch an die Halsgefäße angeschlossen. Danach wurden in mehreren kleineren Schritten Augenlider und Lippen geformt. Zunächst wurde an der Stelle der neu zu bildenden Nase ein selbstexpandierender Expander implantiert. Nach ausreichender Dehnung wurde eine neue Nase durch Rippenknorpel ausgebildet. Leider wurde ein freier Radialislappen zusätzlich noch für die Nasenweichteile gebraucht, da nach einem Jahr der Rippenknorpel durch die dünnen Weichteile perforierte. In mehreren Schritten mussten aufgrund der extremen Vernarbungsneigung die Nasenöffnung erweitert werden.

Obwohl zur Rekonstruktion bisher multiple Operationen erforderlich waren, konnten mit dieser Vorgehensweise nicht nur narbenärmere, deutlich bessere Gesichtsweichteile erzielt werden, sondern zudem eine zunehmende Mimik erreicht werden. Obwohl dieser Weg aufgrund der häufigen operativen Interventionen psychisch und physisch anstrengend ist und nur wenigen genau gewählten Patienten vorbehalten bleiben sollte, bleiben diesen Patienten die lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva und den damit verbundenen Risiken erspart.