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GMS Mitteilungen aus der AWMF

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)

ISSN 1860-4269

Empfehlung der AWMF zur Berücksichtigung der Autorenschaft an systematischen Übersichtsarbeiten, Metaanalysen und Leitlinien

Mitteilung

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GMS Mitt AWMF 2012;9:Doc2

DOI: 10.3205/awmf000250, URN: urn:nbn:de:0183-awmf0002508

Veröffentlicht: 26. Januar 2012

© 2012 Müller.
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Gliederung

Zusammenfassung

Die ständige Kommission "Leistungsevaluation in Forschung und Lehre" der AWMF hat für die Leistungsevaluation im Bereich der Forschung Empfehlungen zur Berücksichtigung der Autorenschaft an systematischen Übersichtsarbeiten, Metaanalysen und Leitlinien für die leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM) und die Evaluation persönlicher Forschungsleistungen erarbeitet, die abschließend vom AWMF-Präsidium verabschiedet wurden.


Text

Empfehlung der AWMF zur Berücksichtigung der Autorenschaft an systematischen Übersichtsarbeiten, Metaanalysen und Leitlinien

Der wissenschaftliche und insbesondere praktische Impact publizierter Forschungsleistungen stützt sich nicht unwesentlich auf ihre systematische Rezeption und Synthese in Form systematischer Übersichtsarbeiten (z.B. Cochrane-Reviews), Metaanalysen und Leitlinien. Die Forschungssynthese stellt dabei eine eigenständige wissenschaftliche Leistung dar und ist wesentlich für die Weiterentwicklung der Forschung selbst (z.B. bei der Herleitung von Forschungsfragestellungen in Förderanträgen) sowie für ihren Transfer in die medizinische Praxis. Übersichtsarbeiten tragen mit ihren überdurchschnittlich hohen Zitationszahlen zudem zum Impactfaktor* wissenschaftlicher Zeitschriften maßgeblich bei. Die Autorenschaft an den genannten Publikationstypen ist daher bei der Forschungsevaluation zu berücksichtigen**.

Konkret wird empfohlen:
  • Die Autorenschaft an systematischen Reviews, Metaanalysen und Leitlinien, die in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert werden, soll wie die Autorenschaft an wissenschaftlichen Originalpublikationen in derselben Zeitschrift gewertet werden.
  • Leitlinien (mindestens Stufe S2 oder bei internationalen Leitliniengremien entsprechende Entwicklungsstufe), die in Buchform (mit ISBN-Nummer) publiziert werden, sind als wissenschaftliche Buchpublikationen zu zählen.
  • Leitlinien, die ausschließlich online auf den Seiten der AWMF, der Programme „Nationale VersorgungsLeitlinien“ bzw. „Onkologische Leitlinien“ oder anerkannter internationaler Herausgeber von Leitlinien publiziert werden, sind wie wissenschaftliche Buchpublikationen zu werten. Doppelpublikationen sind hierbei nicht zu werten.
  • Die persönlich als solche benannten Autoren einer Leitlinie sollen - auch wenn die Veröffentlichung unter dem Namen von z.B. Fachgesellschaften erfolgt - wie andere Autoren gewertet werden.


Fußnoten:

* Die Eignung des Impactfaktors für die individuelle Leistungsbewertung wird von der AWMF auch weiterhin angezweifelt; der Hinweis ergeht hier vor dem Hintergrund, dass der Impactfaktor de facto derzeit eine große Rolle bei der Leistungsbewertung an deutschen Fakultäten spielt.

** Neben der Berücksichtigung der Publikationen sollte auch ein Anreizsystem für die Mitwirkung an der Leitlinienentwicklung als solcher, ähnlich demjenigen für die Mitwirkung in wissenschaftlichen Gremien, entwickelt werden.