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Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin München

04.05. - 06.05.2012, München

Netzwerk Cerebralparese: Surveillance der Hüftlateralisation

Meeting Abstract

  • N.H. Jung - Universitätskinderklinik Freiburg, Neuropädiatrie, Freiburg, Germany
  • B. Pereira - Universitätskinderklinik Freiburg, Neuropädiatrie, Freiburg, Germany
  • M. Linder-Lucht - Universitätskinderklinik Freiburg, Neuropädiatrie, Freiburg, Germany
  • C. Rensing-Zimmermann - Universitätskinderklinik Freiburg, Neuropädiatrie, Freiburg, Germany
  • V. Mall - Kinderzentrum München gemeinnützige GmbH, München, Germany
  • AG CP-Netz Deutschland

Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin. 61. Jahrestagung der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Süddeutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie und dem Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte – Landesverband Bayern. München, 04.-06.05.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12sgkjP23

DOI: 10.3205/12sgkj64, URN: urn:nbn:de:0183-12sgkj644

Published: April 11, 2012

© 2012 Jung et al.
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Fragestellung: Ein häufiges medizinisches Problem bei Kindern mit Cerebralparese (CP) ist die Hüftluxation, für die einige Patienten ein erhöhtes Risiko haben. In Ländern wie Schweden und Australien konnten Hüft-Surveillance Programme initiiert werden und die Zahl der Hüftluxationen mit ihren nachfolgenden klinischen Problemen signifikant reduziert werden. Im Jahr 2008 wurde das deutsche „CP-Netz“ (http://cp-netz.uniklinik-freiburg.de/cpnetz/live/index.html) mit dem Ziel initiiert, bei Kindern und Jugendlichen mit CP Hüftluxationen zu vermeiden, standardisierte multimodale Therapiekonzepte zu etablieren und epidemiologische Fragestellungen zu beantworten.

Methoden: Ärzte und Therapeuten gaben auf der Seite http://www.CP-Netz.de Patientendaten von Kinder und Jugendlichen mit CP ein. Erfasst wurden Risikofaktoren für die Entwicklung einer Hüftluxation wie z.B der CP-Typ, der Gross Motor Function Classification System (GMFCS) -Level und der Migrationsindex nach Reimers (MI) als Maß der Lateralisation der Hüfte. Anhand des „Hüftampel“-Algorithmus findet eine Risikostratifizierung („GRÜN“: geringe, „GELB“: erhöhte und „ROT“: Hochrisikokonstellation für eine Hüftluxation) statt. Der eingebende Arzt oder Therapeut erhielt eine Rückmeldung und es werden individuelle, unverbindliche Therapieempfehlungen ausgesprochen.

Ergebnisse: Bisher konnten n=186 Patienten (mittleres Alter 9,42±4,63 Jahre, 84 weiblich) aus 18 Zentren in das CP-Netz eingeschlossen werden. Hiervon hatten n=139 eine bilaterale, n=37 eine unilaterale, n=11 eine dyskinetische oder ataktische CP. Eine valide Verlaufsanalyse der Hüftentwicklung war bei n=44 Patienten möglich. Eine Risikokonstellation analog der „Hüftampel“ (GMFCS Level ≥III, MI >25%) lag bei 36 Patienten vor. 9 Patienten entwickelten eine progrediente Lateralisation der Hüfte (δ MI >10%), bei 2 Patienten waren die Hüften bereits bei Einschluss luxiert. Ein Patient mit GMFCS Level V und bilateraler spastischer CP entwickelte eine Hüftluxation (Anstieg MI li. von 35% auf 77%).

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass es bei der Mehrzahl der Patienten mit CP und einer Risikokonstellation zu keiner progrediente Lateralisation der Hüfte gekommen ist. Ein Patient entwickelte dennoch eine Hüftluxation, obwohl hier frühzeitig eine operative Intervention geprüft wurde. Die bisherigen Daten unterstützen die Notwendigkeit einer zentralen, Internet-basierten Hüft-Surveillance bei Kindern mit CP um Hüftluxationen in Zukunft zu vermeiden und adäquate multimodae Therapiekonzepte zu erarbeiten.