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Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin München

04.05. - 06.05.2012, München

Schwere Pertussisinfektion beim jungen Säugling

Meeting Abstract

  • M. Kreuzer - Städt. Klinikum Karlsruhe gGmbH, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Karlsruhe, Germany
  • A. Krauth - Städt. Klinikum Karlsruhe gGmbH, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Karlsruhe, Germany
  • S. Stuhrmann - Städt. Klinikum Karlsruhe gGmbH, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Karlsruhe, Germany
  • J. Kühr - Städt. Klinikum Karlsruhe gGmbH, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Karlsruhe, Germany

Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin. 61. Jahrestagung der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Süddeutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie und dem Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte – Landesverband Bayern. München, 04.-06.05.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12sgkjP4

DOI: 10.3205/12sgkj46, URN: urn:nbn:de:0183-12sgkj467

Published: April 11, 2012

© 2012 Kreuzer et al.
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Hintergrund: In den vergangenen Monaten sahen wir vermehrt schwere Verläufe von Pertussisinfektionen im frühen Säuglingsalter.

Methodik und Ergebnisse: Wir berichten über zwei junge Säuglinge, die an einer Pertussisinfektion erkrankten. Bei beiden bestätigte sich der klinische Verdacht in der PCR des Rachensekrets auf Bordetella pertussis. Patient 1 wurde im Alter von 6 Wochen mit einem seit drei Tagen bestehenden Atemwegsinfekt und respiratorischem Distress vorgestellt. Bei zunehmenden schweren Hustenattacken mit ausgeprägten Apnoen und Hyperkapnie waren schließlich am 9. Tag die Intubation und eine HFO-Beatmung nicht mehr zu umgehen. Radiologisch wurden pneumonische Infiltrate und beidseitige Oberlappenatelektasen der Lunge nachgewiesen. Unter antibiotischer Behandlung, physikalischer Therapie und Inhalationstherapie war nach 5 Wochen die Extubation möglich. Im Verlauf entwickelte der Patient eine Pertussisenzephalopathie mit Krampfanfällen und progredienter Hirnatrophie. Bei auch nach Beatmungsende fortbestehenden Atelektasen und vereinzelten Apnoen wurde der Patient bei Entlassung mit einem Heimmonitor versorgt. Im weiteren Verlauf über nunmehr 5 Wochen traten keine Krampfanfälle mehr auf. Bei anhaltender obstruktiver Symptomatik erhält der Patient eine Inhalationstherapie mit Budesonid. Patient 2 wurde im Alter von 8 Wochen mit seit 6 Tagen bestehendem trockenen Reizhusten mit teils blutig tingiertem expektoriertem Schaum vorgestellt. Initial fielen subcostale Einziehungen und eine reduzierte Sauerstoffsättigung auf. Radiologisch zeigten sich pneumonische Infiltrate und Zeichen einer Einblutung im Mittellappen. Es traten rezidivierende Apnoen mit Entsättigungen und Bradykardien auf, die durch Stimulation und Sauerstoffsupplementation zu kupieren waren. Unter antibiotischer Therapie und Inhalationstherapie war die Symptomatik rückläufig. Nach drei Wochen konnte der Patient mit Heimmonitorversorgung entlassen werden.

Schlussfolgerung: Der erste Patient hatte Kontakt zu einer Person mit länger andauerndem Husten, bei der retrospektiv eine Pertussisinfektion nachgewiesen werden konnte. Beim zweiten Patienten konnte der Halbbruder als möglicher Überträger benannt werden. Junge Säuglinge haben keinen ausreichenden Impfschutz und die Pertussis stellt für diese Gruppe eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung dar. Daher erscheint es extrem wichtig, die mangelnde Herdenimmunität durch Impfung älterer Kinder und Erwachsener anzuheben.