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172. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

29.01. - 30.01.2010, Bonn

Ist eine Selensubstitution für Patienten mit einer Endokrinen Orbitopathie wichtig? Sowohl Selenoprotein P als auch Selenspiegel sind bei diesen Patienten signifikant verringert

Meeting Abstract

  • A. Eckstein - Zentrum für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Essen
  • N. Dehina - Zentrum für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Essen
  • W. Minich - Zentrum für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Essen
  • T. Behrends - Zentrum für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Essen
  • K. Johnson - Zentrum für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Essen
  • N. Morgenthaler - Zentrum für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Essen
  • J. Köhrle - Zentrum für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Essen
  • K. Mann - Zentrum für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Essen
  • L. Schomburg - Zentrum für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Essen

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte. 172. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte. Bonn, 29.-30.01.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10rwa71

DOI: 10.3205/10rwa71, URN: urn:nbn:de:0183-10rwa710

Published: March 10, 2010

© 2010 Eckstein et al.
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Hintergrund: Selen (Se), im Blut vornehmlich an sogenannte Selenoproteine gebunden, ist von großer Bedeutung bei der Regulation des Immunsystems. Selenoprotein P (SEPP) ist das wichtigste Selenoprotein bei Säugetieren. Bei der Hashimotoerkrankung führt eine Selensupplementation zu einer Verringerung der Anti TPO AK und einer Verzögerung der Progression. Ziel dieser Studie war es herauszufinden, ob bei der verwandten Schilddrüsenautoimmunerkrankung M. Basedow ein Selenmangel vorliegt und deshalb eine Substitution auch von Vorteil sein könnte.

Methoden und Patienten: Serumproben von n=104 Patienten mit einem Morbus Basedow und einer Endokrinen Orbitopathie (EO) und n=82 gesunde Kontrollen wurden analysiert. Die Patienten wurden zu Beginn der Erkrankung vor Therapie. erstmals gemessen und im weiteren Verlauf über 24 Monate. SEPP wurde mittels eines immunoluminometrischen “sandwich assay” (ILMA) und Se mittels Röntgen-Fluorescenz-Spektroskopie (TXRF) gemessen. Beide Tests wurden an der Charite für diese Studie entwickelt bzw. etabliert.

Ergebnisse: Die Patienten wiesen schon im Frühstadium der EO signifikant niedrigere SEPP-Spiegel (2.2 +/- 0.7 versus 3.0 +/- 0.6 mg/l, p<0.0001) und Selen-Spiegel (35.1 +/- 13.6 versus 62.8 +/- 11.0 mg/l, p<0.0001) im Vergleich zu den gesunden Kontrollen auf. Es zeigte sich kein Unterschied zwischen Patienten mit milder und schwerer EO. Die SEPP Spiegel (nicht jedoch die Se Spiegel) korrelierten schwach invers zur Aktivität der EO im Frühstadium der Erkrankung (–0.21, p=0.037). Es bestand kein Unterschied in Bezug auf die Prognose der Hyperthyreose-Patienten mit Remission unterschieden sich nicht von denen, die rezidivierten. Im gesamten Beobachtungszeitraum normalisierten sich die Se- und SEPP-Spiegel nicht.

Schlussfolgerung: Diese Daten zeigen, dass der Selen-Status bei Patienten mit Morbus Basedow und EO aktiv oder passiv eine Rolle spielt und möglicherweise relevant für die Progression der Erkrankung ist. Es muss nun herausgefunden werden, ob eine Selensupplementation v.a. bei den Patienten mit stark erniedrigten Spiegeln den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen kann. Die Ergebnisse der ersten randomisierten Plazebo kontrollierten internationalen Studie der EUGOGO, die Ende Oktober 2009 entblindet wird, werden zusätzlich vorgestellt.