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10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010)

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie,
Deutsche AIDS-Gesellschaft,
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit,
Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie

23.06. - 26.06.2010, Köln

Tularämie in Deutschland – Falldarstellung und fallbezogene Untersuchungen zur Seroprävalenz sowie Erregerprävalenz von Francisella tularensis in Zecken im südlichen Sachsen-Anhalt

Tularemia in Germany – case presentation and case related studies on seroprevalence and prevalence of Francisella tularensis in ticks in southern Saxony-Anhalt

Meeting Abstract

  • C. Lübbert - Universitätsklinikum Halle, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Halle (Saale), Germany
  • P. Hagedorn - Robert-Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit, Berlin, Germany
  • S. Volkmar - Robert-Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit, Berlin, Germany
  • C. Taege - Institut für Pathologie, Lutherstadt Eisleben, Germany
  • T. Ettrich - Universitätsklinikum Halle, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Halle (Saale), Germany
  • T. Seufferlein - Universitätsklinikum Halle, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Halle (Saale), Germany
  • R. Grunow - Robert-Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit, Berlin, Germany

10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010). Köln, 23.-26.06.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. DocP41

DOI: 10.3205/10kit097, URN: urn:nbn:de:0183-10kit0976

Published: June 2, 2010

© 2010 Lübbert et al.
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Text

Hintergrund: Die Tularämie tritt in Deutschland zunehmend häufiger auf, wie beim Robert-Koch-Institut (RKI) 2007–2009 registrierte Fallhäufungen belegen. Anhand des Fallberichtes einer jungen Patientin, der den seit vielen Jahren ersten Fall einer durch Zeckenstich übertragenen Tularämie in Deutschland dokumentiert, werden die klinischen Charakteristika der Erkrankung erläutert und vorläufige Ergebnisse mit Hilfe des RKI durchgeführter fallbezogener Untersuchungen zur Seroprävalenz und Erregerprävalenz von Francisella tularensis in Zecken im südlichen Sachsen-Anhalt vorgestellt.

Methoden: Bei einer 20-jährigen Patientin wurde nach einem Zeckenstich auf einem Sportplatz im ländlichen Süden Sachsen-Anhalts mit nachfolgend fieberhaftem Verlauf und ausgeprägter regionärer Lymphknotenschwellung anhand klinischer, histologischer (Lymphknotenresektat) und serologischer (hochtitriger Nachweis von Ak der Klasse IgM und IgG gegen F. tularensis) Kriterien die Diagnose einer trotz antibiotischer Therapie prolongiert verlaufenden ulzeroglandulären Tularämie gestellt.

Es erfolgte eine gezielte seroepidemiologische Untersuchung von 19 vor Ort lebenden Risikopersonen (Jäger, Waldarbeiter etc.) auf F. tularensis. In zwei Sitzungen wurden über 100 Zecken der Spezies Ixodes ricinus und Dermacentor auriculatus gesammelt und im RKI mittels spezifischer PCR auf F. tularensis und andere Pathogene (Borrelien, Rickettsien, Anaplasmen, Babesien) untersucht.

Ergebnisse: Auf nachdrücklichen Wunsch der Pat. wurde eine operative Entfernung des schmerzenden Lymphknotens veranlaßt. Die in situ durchgeführte Real-Time-PCR (Marker: fopA, tul4) und Immunfluoreszenz waren für F. tularensis negativ. Vier Wochen nach dem Eingriff präsentierte sich die Pat. subjektiv beschwerdefrei und vollständig wiederhergestellt.

Die serologische Untersuchung aller Risikopersonen auf F. tularensis verlief negativ. Es wurden eine mit bis zu fünf Individuen pro Quadratmeter hohe Zeckendichte festgestellt. Mittels spezifischer PCR gelang der vereinzelte Nachweis von Borrelien- und Rickettsien-DNA, jedoch kein Nachweis von F. tularensis.

Schlussfolgerungen: Das Auftreten der Tularämie als seltene Zoonose in Deutschland wird nach aktuellen seroepidemiologischen Untersuchungen klinisch unterschätzt. Der vorliegende Fall illustriert, dass die Erkrankung auch außerhalb von Risikogruppen (z.B. Jäger, Forstpersonal) auftreten kann und Ektoparasiten wie Zecken nicht nur in bekannten Endemiegebieten als Überträger in Frage kommen.