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10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010)

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie,
Deutsche AIDS-Gesellschaft,
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit,
Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie

23.06. - 26.06.2010, Köln

Infektiöse Endokarditis – prognostischer Wert des Procalcitonin

Infective endocarditis – prognostic value of procalcitonin

Meeting Abstract

  • C. Cornelissen - Universitätsklinikum Aachen, Medizinische Klinik I – Sektion Pneumologie, Aachen, Germany
  • K. Schreiner - Universitätsklinikum Aachen, Medizinische Klinik I – Sektion Pneumologie, Aachen, Germany
  • D. Frechen - Universitätsklinikum Aachen, Medizinische Klinik I – Sektion Pneumologie, Aachen, Germany
  • S. Krüger - Universitätsklinikum Aachen, Medizinische Klinik I – Sektion Pneumologie, Aachen, Germany

10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010). Köln, 23.-26.06.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. DocP16

DOI: 10.3205/10kit072, URN: urn:nbn:de:0183-10kit0724

Published: June 2, 2010

© 2010 Cornelissen et al.
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Text

Ziele: Die infektiöse Endokarditis (IE) geht mit einer hohen Morbidität und Mortalität einher. Die antibiotische Therapie richtet sich dabei nach der Art des ursächlichen Erregers. Die Fragestellung dieser Studie war, ob das Procalcitonin (PCT) als spezifischer Infektionsmarker hilfreich ist für die Diagnose der IE, für die Prognosebeurteilung und ob die Höhe des PCT mit dem auslösenden Erreger der IE korreliert.

Methoden:Diese Studie wurde retrospektiv als Single-Center Studie am Universitätsklinikum Aachen durchgeführt. Es wurden die Daten aller Patienten mit V.a. IE vom 1.1.2007 bis 31.12.2009 analysiert. Einschlusskriterien waren die Diagnose der IE nach den üblichen Duke Kriterien sowie Nachweis einer PCT Messung bei Diagnosestellung.

Als primärer Endpunkt galt ein schlechtes Outcome (Tod, schwere infektiologische Komplikationen wie septische Encephalitis, septische Embolien, septische Visceralabszesse, Osteomyelitis, septischer Schock).

Um den prognostischen Wert des PCT zu analysieren wurde eine ROC Analyse des PCT in Bezug auf ein schlechtes Outcome durchgeführt. Außerdem wurde die Korrelation zwischen spezifischem Erreger mit der Höhe des PCT und einem schlechten Outcome untersucht.

Ergebnisse: Im Studienzeitraum wurden 50 Patienten mit gesicherter IE und gleichzeitiger PCT-Messung bei Diagnosesicherung behandelt. Ein schlechtes Outcome fand sich bei 26 Patienten. Aus dieser Gruppe verstarben 11 Patienten, schwere infektiologische Komplikationen traten bei 18 Patienten auf. Die Sensitivität einer PCT-Messung bei einem Cut-Off von 0,5 mg/l zur Vorhersage eines schlechten Outcome betrug 73% (95% CI 0,52–0,88), die Spezifität 79% (95% CI 0,57–0,92), der positive prädiktive Wert 0,79 (95% CI 0,57 bis 0,92), der negative prädiktive Wert 0,73 (95% KI 0,52 bis 0,88). Bei Nachweis von Staph. aureus fanden sich signifikant höhere PCT Werte als bei anderen Erregern (PCT Mittelwert für Staph. Aureus 8,6 mg/l, für andere Erreger 3,6 mg/l). Ein PCT <0,5 mg/l hatte einen hohen negativen prädiktiven Wert von 0,92 zum Ausschluss einer IE durch Staph. aureus. Die Korrelation von C-reaktivem Protein und Leukozyten zum Outcome und zum auslösenden Erreger war schlechter.

Fazit: PCT ist bei der IE hilfreich in der Diagnosestellung und der Prädiktion eines schlechten klinischen Outcomes. Bei einem niedrigen PCT ist eine Infektion mit Staph. aureus als Ursache sehr unwahrscheinlich, was für die Wahl der antibiotischen Therapie hilfreich sein könnte.